Allianz setzt Dresdner Bank hohe Ziele

Detaillierte Konzernzahlen lassen Börse kalt · Finanzinstitut steigert Gewinn vor allem bei Privat- und Firmenkunden

Von Herbert Fromme, Köln, und Rolf Lebert, Frankfurt Die Allianz verpflichtet ihre Tochter Dresdner Bank zu einem Gewinn von 650 bis 700 Mio. Euro im nächsten Jahr. Die Bank solle 2005 ihre Kapitalkosten in entsprechender Höhe verdienen, sagte Allianz-Finanzvorstand Helmut Perlet bei der Vorstellung der detaillierten Quartalszahlen des Konzerns. Die Dresdner Bank legte dabei das beste Ergebnis seit der Übernahme durch die Allianz 2001 vor.

Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann hatte die wichtigsten Ergebniswerte bereits bei der Hauptversammlung am 5. Mai genannt. Die Börse, die damals positiv reagierte, honorierte die Zahlen nicht erneut. Die Aktie verlor am Freitag 1,5 Prozent auf 83,17 Euro.

Die Allianz verbesserte ihr Ergebnis nach Steuern um 1,2 Mrd. Euro. Statt eines Verlustes von 546 Mio. Euro zeigte sie einen Gewinn von 675 Mio. Euro. Der Gesamtumsatz ging allerdings um 1,1 Prozent auf 27,2 Mrd. Euro zurück. Perlet begründete dies in Telefonkonferenzen vor allem mit der Gewinnorientierung des Unternehmens. „Die Qualität des Geschäfts ist besser.“ Als Beleg nannte er die Schaden-und-Kosten-Quote, die sich um 1,9 Prozentpunkte auf 95,8 Prozent der Beitragseinnahmen verbesserte. Allerdings profitierte die Allianz dabei auch von der untypisch geringen Zahl großer Schäden. Ohnehin haben Quartalszahlen bei Versicherern eine zweifelhafte Aussagekraft.

Zum laufenden Jahr wollte Perlet keine Gewinnschätzung abgeben. Entscheidend sei weiter das Bankgeschäft, das im ersten Quartal sehr gut ausfiel. Perlet fuhr von der Dresdner Bank einen Gewinn von 156 Mio. Euro ein, nach einem Minus von 186 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum.

In ihrem Teilkonzernabschluss wies die Dresdner ein operatives Ergebnis von 187 Mio. Euro aus, das mehr als doppelt so hoch war wie ein Jahr zuvor. Bankchef Herbert Walter warnte aber, das erste Quartal könne nicht auf das Jahr hochgerechnet werden. Unverändertes Ziel sei es, 2004 ein positives Ergebnis nach Steuern und vor Restrukturierungskosten zu erwirtschaften.

Gut ins Jahr starteten Privat- und Firmenkundengeschäft. Im Privatkundengeschäft konnte die Bank ihr Ergebnis vor Steuern von 49 Mio. Euro im ersten Quartal 2003 auf 164 Mio. Euro steigern. Im Firmenkundengeschäft legte sie von 59 Mio. auf 92 Mio. Euro zu.

Die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein verschlechterte ihr Vorsteuerergebnis hingegen um 45 Mio. Euro auf 75 Mio. Euro. Dieser Bereich, der auf mittlere Sicht verkauft oder an die Börse gebracht werden soll, konnte vor allem im Zinsgeschäft nicht an das gute Vorjahresergebnis anknüpfen. Die Tochtergesellschaft IRU, die notleidende Kredite der Dresdner Bank abarbeitet, erzielte einen Verlust vor Steuern von 71 Mio. Euro, der um die Hälfte niedriger war als vor einem Jahr.

Nach Perlets Angaben liegt der Konzern bei allen Großbaustellen im Plan – das sind die französische AGF, Fireman’s Fund in den USA und die Lebensversicherung in Korea.

Der Finanzvorstand begrüßte außerdem den Beschluss des Bundesrates, über die Frage der Besteuerung von Lebenspolicen das Vermittlungsverfahren zu suchen: „Damit haben wir eine Chance, dass es nicht zur geplanten Diskriminierung der Lebensversicherung gegenüber anderen Altersvorsorgeprodukten kommt.“

Zitat:

„Die Qualität des Geschäfts ist besser“ – Allianz-Finanzchef Helmut Perlet

Quelle: Financial Times Deutschland


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