AMB Generali baut PKV-Geschäft aus

Konzern schließt Übernahmen in der privaten Krankenversicherung nicht aus · Interview mit AMB-Chef Thießen

Von Herbert Fromme, Köln Der Versicherungskonzern AMB Generali will auch in der privaten Krankenversicherung bald zu den drei größten Unternehmen in Deutschland gehören. „In der Krankenversicherung liegen wir auf Platz sechs“, sagte AMB-Generali-Chef Walter Thießen im FTD-Interview. Er will hier genauso stark sein wie in den anderen Bereichen. „In der Lebensversicherung und im Schaden- und Unfallgeschäft sind wir die Nummer zwei. Vor uns ist die Allianz. Die kann man nicht überholen, weil der Abstand zu groß ist.“

Die Aufholjagd in dieser Sparte, die von der Kölner Tochter Central betrieben wird, will Thießen mit eigenem Wachstum und mit Übernahmen bestreiten. Dabei ist er vorsichtig: „Bei einem Zukauf müssen unbedingt die Rahmenbedingungen stimmen. Die politische Zukunft der privaten Krankenversicherung dürfte kaum vor 2006 feststehen.“ Thießen will sich aber nicht festlegen, bis dahin überhaupt keine Akquisitionen vorzunehmen. „Wenn sich etwas Interessantes anbietet, kann man schauen“, sagte er. Interessant müsse vor allem die Vertriebskraft sein.

Es gibt zurzeit erste Zeichen für eine Konsolidierung in der Versicherungswirtschaft. Da will die AMB eine aktive Rolle spielen – auch wenn ihr Chef das herunterspielt. Finanzierungsprobleme bei möglichen Übernahmen dürfte die deutsche Generali-Tochter kaum haben. Sie hat bei der Mutter in Italien viel Sympathie, weil sie die Marktkrise der letzten drei Jahre ohne Kapitalhilfe aus Triest gemeistert hat. „Unsere Gruppe ist stark und kann auch gravierende Änderungen auf den Kapitalmärkten bewältigen. Ob das alle könnten, da habe ich meine Zweifel“, sagte Thießen.

Der AMB-Konzern hat sich in den letzten vier Jahren still und leise gewandelt. Aus dem von der Generali zusammengekauften Mischkonzern wurde eine schnell wachsende schlagkräftige Gruppe. Dabei hält Thießen am Konzept der dezentralen Führung fest. Die Unternehmenstöchter Aachener und Münchener Versicherung, Central, Volksfürsorge, Generali München und Cosmos haben eigene Vorstände mit Verantwortung für Vertrieb und Ergebnis. Zentral betreibt die Holding Informationstechnologie und Asset-Management, außerdem setzt sie die Standards für die Töchter.

Thießen unterstrich die Bedeutung dieser Struktur in der vergangenen Woche, als er den Konzernvorstand von drei auf zwei Mitglieder verkleinerte. Vertriebschef Hans-Hermann Kasten musste gehen – auf zentraler Ebene gab es keine Rolle mehr für ihn.

Konkurrent Ergo, der ebenfalls mehrere Marken hat, verändert gerade seine Führungsstruktur und führt auf Holdingebene über alle Marken hinweg verantwortliche Vorstände für Leben, Schaden/Unfall und Kranken ein. Thießen will das bei der AMB Generali nicht tun. „Unser Konzept ist anders. Zu unserem Prinzip Einheit in Vielfalt gehört, dass die unterschiedlichen Marken jeweils ein Vorstandsteam haben, das dann die jeweiligen Lebens- und Schaden-Unfall-Versicherer führt.“ Die Volksfürsorge mit ihrem angestellten Außendienst sei etwas ganz anderes als die Generali in München mit selbstständigen Vertretern oder die Aachener und Münchener, deren Hauptvertrieb die Deutsche Vermögensberatung ist.

„Wir sind eine führungsstarke Holding, die klare Bewertungskriterien für die Führung aufgestellt hat. Die IT und das Asset-Management sind vereinheitlicht, das Callcenter der Volksfürsorge hat dieselbe Struktur wie bei der Aachener und Münchener.“ Die Zusammenlegung der Callcenter sei aber nicht sinnvoll. „Die müssen auf die jeweiligen Bedürfnisse der einzelnen Vertriebswege abgestimmt sein.“

Thießen verteidigt die konsequente Trennung vom Industriegeschäft. „Dafür sind wir zu klein, es bindet zu viel Risikokapital.“ Im Gewerbegeschäft mit mittleren und kleinen Unternehmen will die AMB Generali aber bleiben. „Das ist schon deshalb wichtig, weil Großagenten auch Gewerbegeschäft bringen. Dafür brauchen sie uns als Partner.“ Den Vorwurf der Konkurrenz, die AMB Generali sei besonders aggressiv im Gewerbemarkt, wies Thießen zurück. „Wir wollen Geld verdienen.“

Eine mögliche Fusion von Commerzbank und Hypovereinsbank (HVB) beunruhigt den AMB-Chef wenig. Die Volksfürsorge ist exklusiver Partner der Commerzbank, an der die Generali 7,5 Prozent hält. Die HVB arbeitet aber mit der Münchener-Rück-Tochter Ergo zusammen. „Ich weiß gar nicht, ob es eine neue Großbank geben wird. Deshalb mache ich mir keine Gedanken.“ Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard hatte öffentlich erklärt, er wolle eine fusionierte Bank als Vertriebspartner für die Ergo erhalten und lehne die Aufteilung des Vertriebswegs auf zwei Versicherer ab. „Ich kann mir viele Varianten vorstellen“, sagte Thießen. „Wir haben einen Kooperationsvertrag über zehn Jahre, von denen noch sechs ausstehen.“ Er denke eher über die Entwicklung des eigenen Außendienstes und des Direktversicherers Cosmos nach.

Bild(er):

Walter Thießen, Chef des Versicherers AMB Generali, will aufholen – Juergen Schwarz (3)

Quelle: Financial Times Deutschland


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