Banken verschärfen Konkurrenzkampf

Von Anja Krüger, Köln Die Kapitallebensversicherung ist das größte und wichtigste Geschäftsfeld der Assekuranz in Deutschland. Mit den Änderungen bei der Besteuerung bricht den Unternehmen nicht nur ein bedeutender Teil ihres Umsatzes weg. Viele Gesellschaften werden auch ihren Vertrieb neu aufstellen müssen. In Deutschland verkaufen mehr als 120 Anbieter Lebensversicherungen. Mit 91 Millionen Verträgen gibt es mehr Policen als Einwohner.

Weniger als 20 Millionen davon sind reine Risikolebensversicherungen. Diese Policen decken ausschließlich das Todesfallrisiko für die versicherte Person ab. Stirbt der Kunde, zahlt der Versicherer. Erlebt die Person den Vertragsablauf, zahlt der Versicherer nichts. Bei diesen Verträgen ändert sich nach der geplanten Gesetzesänderung nichts. Für Risikopolicen fallen die Prämien vergleichsweise niedrig aus.

Gewaltiger Markt

Kapitallebensversicherungen sind eine Kombination aus Todesfallschutz und Sparprodukt. Stirbt der Kunde in der Vertragslaufzeit, erhält der Begünstigte die vereinbarte Versicherungssumme. Erlebt der Kunde das Ende der Vertragslaufzeit, erhält er das angesparte Geld plus Zinsen. Davon zieht der Versicherer allerdings die Kosten für den Todesfallschutz, Verwaltung und Vertrieb ab.

Noch sind Kapitallebensversicherungen ein gewaltiger Markt. In Deutschland gibt es 57 Millionen Verträge. Hinzu kommen 17 Millionen Rentenversicherungen, bei denen der Kunde nach Ablauf des Vertrages zwischen der Auszahlung auf einen Schlag oder in monatlichen Rentenzahlungen wählen kann.

Im vergangenen Jahr zahlten Kunden nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) fast 68 Mrd. EuroBeiträge für in Lebensversicherungen. Davon entfielen fast 80 Prozent auf Kapitallebens- und Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht. Um diese Summe werden künftig vermehrt die Banken und andere Anbieter konkurrieren.

Ausgezahlt haben die Versicherer Leistungen von knapp 65 Mrd. Euro. „Diese Summe entsprach mehr als 33 Prozent der Rentenausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung der Arbeiter und Angestellten“, teilte der GDV mit. Dieser Vergleich ist unzulässig: Zwar behauptet die Versicherungswirtschaft, dass die meisten Kunden eine Kapitallebensversicherungen für die Altersvorsorge abschließen. Tatsächlich kaufen aber viele die Produkte, um steuerlich günstig Kapital bilden zu können.

Nach Vertragsablauf nutzen sie das Geld zur Ablösung eines Darlehens, die Hausfinanzierung oder für größere Anschaffungen. Müssen diese Kunden auf die Erträge Steuern zahlen, werden sich viele für andere Finanzierungswege entscheiden. Hinzu kommt: Rund 50 Prozent der Verträge werden vorzeitig gekündigt, in der Regel mit finanziellen Verlusten für den Kunden. Auch diese Auszahlungen rechnet der GDV in eine Altersvorsorge-Kennzahl ein.

Vertreter drohen hohe Verluste

Ein Einbruch bei Kapitallebensversicherungen werde massive Auswirkungen auf die Assekuranz und den Kapitalmarkt haben, sagte GDV-Präsident Bernhard Schareck. Wird das Produkt zum Ladenhüter, ändert sich die noch große Bedeutung der Assekuranz für die Finanzmärkte: „Nach unseren Einschätzungen würden dem Kapitalmarkt bis 2020 circa 400 Mrd. Euro weniger zugeführt als bei Aufrechterhaltung des Status quo.“

Nach der Reform Abstriche machen müssen wohl auch die Versicherungsvertreter. Sie erhalten für Kapitallebensversicherungen zwischen vier und 6,5 Prozent der gesamten geplanten Prämienzahlungen. Für einen über 30 Jahre laufenden Vertrag mit jährlichen Prämien von 1000 Euro sind das zwischen 1200 Euro und 1800 Euro. Ob diese Provisionshöhe auch bei neuen Produkten gilt, ist noch offen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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