Barmenia sieht Kooperationen mit GKV gelassen

Krankenversicherer steigert Gewinn 2003 deutlich

Von Ilse Schlingensiepen, Wuppertal Die Barmenia warnt vor übertriebenen Reaktionen der privaten Krankenversicherer (PKV) bei den privaten Zusatzpolicen für Kunden der gesetzlichen Krankenkassen. „Der Markt ist riesig genug, dass alle die Chance haben, daran zu partizipieren“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Versicherungsvereins, Josef Beutelmann, gestern in Wuppertal. Gleichzeitig seien die durchschnittlichen Prämieneinnahmen bei den Policen zu gering, um ein Ersatz für die Vollversicherung zu sein. „Sich als PKV auf die Ergänzungsversicherung zurückziehen zu wollen, wäre ein großer Fehler.“

Seit 1. Januar dürfen gesetzliche Krankenkassen (GKV) Versicherten Policen privater Anbieter für Leistungen vermitteln, die von den Kassen nicht bezahlt werden. Diese Kooperationen sind in der Branche umstritten. Die Barmenia Krankenversicherung hat zum 1. April einen Kooperationsvertrag mit dem Bundesverband der Betriebskrankenkassen für sechs Produkte abgeschlossen. Bisher beteiligen sich 157 Betriebskrankenkassen mit 4,5 Millionen Mitgliedern. „Nach Schätzungen kann man über eine solche Kooperation ein bis zwei Prozent dieses Kundenpotenzials gewinnen“, sagte Beutelmann.

Zusatzpolicen laufen gut

Bislang hat die Barmenia über die Kooperation 3000 Zusatzpolicen verkauft. Gleichzeitig vertreibt sie über ihren Außendienst und Makler Zusatztarife an Kunden. Hier hat sie seit Januar 10 000 abgesetzt – dreimal so viel wie im Vorjahr. „Wir fahren eine Doppelstrategie“, sagte Beutelmann. Beim Geschäft mit den Zusatzversicherungen profitiert die PKV-Branche zur Zeit von der ungewissen Zukunft der GKV. Das Potenzial solle man aber nicht überschätzen, so Beutelmann. Schließlich gebe es den Markt für privaten Zusatzschutz schon lange, bislang hätten aber erst rund zehn Prozent der GKV-Versicherten davon Gebrauch gemacht.

Hauptgeschäft der Barmenia bleibt die Vollversicherung. Auf sie entfielen 2003 mehr als 80 Prozent der Prämieneinnahmen, die um 4,0 Prozent auf 990 Mio. Euro stiegen. Zum zweiten Mal in Folge seien die Aufwendungen für Versicherungsfälle geringer gewachsen als die Beitragseinnahmen, sagte Beutelmann. Sie stiegen um 1,0 Prozent auf 666 Mio. Euro. Nach seinen Angaben machen sich die Anstrengungen der Barmenia bei der Leistungssteuerung und der Kostenkontrolle positiv bemerkbar, etwa durch die gezielte Betreuung schwer kranker Versicherter und Prüfungen von Rechnungen oder Arzneimittel-Verordnungen. Durch solche Maßnahmen hat die Barmenia 2003 die Ausgaben um 18 Mio. Euro reduzieren können, 2002 waren es 15 Mio. Euro. Die Gesellschaft verbuchte einen Nachsteuergewinn von 95,4 Mio. Euro, nach 46,8 Mio. Euro.

Für 2004 erwartet Beutelmann für die Barmenia-Gruppe einen Anstieg der Prämieneinnahmen um vier bis fünf Prozent. 2003 hatte sie um 4,2 Prozent auf 1,3 Mrd.Euro zugelegt.

Quelle: Financial Times Deutschland


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