DBV-Winterthur-Chef kämpft um sein Amt

Hartmut Nickel-Waninger sträubt sich gegen Rücktritt · Zerwürfnis mit Großaktionär Credit Suisse · Hoher Verlust für 2003

Von Herbert Fromme, Wiesbaden Hartmut Nickel-Waninger, Vorstandsvorsitzender der DBV Winterthur-Gruppe, zeigt sich kampfeslustig und will nicht zurücktreten. Das Verhältnis des Managers zum Chef der Muttergesellschaft Winterthur, Leonhard Fischer, gilt wegen der schlechten Geschäftsergebnisse der deutschen Gesellschaft als zerrüttet.

„Man kann als Vorstand nicht so einfach gehen“, sagte Nickel-Waninger bei der Vorlage der Bilanz. Solange 15 der 20 Aufsichtsratsmitglieder bei der Holding ihn unterstützten, gebe es keinen Grund für einen Rückzug. Auf die Frage, wie lange er den Dissens mit dem Hauptaktionär aushalten könne, sagte Nickel-Waninger: „Ich halte das so lange aus, wie es mir Spaß macht, und ich hänge an dem Unternehmen.“

Die Credit-Suisse-Tochter Winterthur hält 71,5 Prozent an der DBV Winterthur Holding. Die DBV Öffentlich-rechtliche Anstalt für Beteiligungen besitzt 25 Prozent, die restlichen 3,5 Prozent sind im Streubesitz. Im Aufsichtsrat sitzen fünf Vertreter der Winterthur, fünf der Anstalt und zehn Arbeitnehmervertreter.

Winterthur-Konzernchef Leonhard Fischer hatte Anfang März im FTD-Interview gesagt, die DBV Winterthur sei „nicht die Ertragsperle im Verbund“. Zusätzlich sprach er damals von einer falschen Expansionspolitik und wollte zu Spekulationen über die Zukunft Nickel-Waningers nichts sagen. Seine Äußerungen wurden als klares Misstrauensvotum gegenüber dem Deutschland-Chef interpretiert. Ende März musste die DBV Winterthur dann auch noch ihre Zahlen für 2003 korrigieren, die Obergesellschaft Credit Suisse ihren Gewinn für 2003 deshalb um 135 Mio. Euro nach unten berichtigen.

Das negative Geschäftsergebnis 2003 wird im Schweizer Mutterhaus ohnehin wenig Freude hervorrufen. Die Wiesbadener Gruppe fuhr einen Verlust von 89 Mio. Euro ein, 2002 war noch ein Gewinn von 28 Mio. Euro gemeldet worden. Hauptgrund waren Abschreibungen auf Beteiligungen. Das Engagement von 10,4 Prozent bei der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden kostete 67 Mio. Euro, die 25-prozentige Beteiligung an dem Gesundheitsdienstleister Medvantis weitere 11 Mio. Euro.

Außerdem trafen hohe Steuerlasten in Höhe von 77 Mio. Euro den Konzern, ein Anstieg um 115 Prozent. Das war das Ergebnis des Steuerkompromisses für Lebens- und Krankenversicherer vom Dezember, bei dem die Assekuranz eine noch höhere Belastung abwenden konnte. Eine Dividende zahlt die DBV Winterthur ihren Anteilsinhabern nicht.

Auch beim Wachstum konnte sie nicht überzeugen. Der Markt legte 2003 bei den Beitragseinnahmen um 4,7 Prozent zu, das Wiesbadener Unternehmen schrumpfte dagegen um 2,2 Prozent auf 3,43 Mrd. Euro. Nickel-Waninger erklärte das mit zwei Sonderfaktoren: Ein Konsortialvertrag mit der Ärztekammer Berlin wurde von der Kammer gekündigt. Außerdem hatte der Lebensversicherer 2002 einen Einmalbeitrag in Höhe von 160 Mio. Euro für die Altersversorgung der Konzernmitarbeiter verbucht, das fiel 2003 weg.

Nickel-Waninger sieht trotzdem den Konzern auf dem richtigen Gleis. Mit 2003 sei man nicht zufrieden, im Kerngeschäft sei das Unternehmen aber auf dem Weg zu mehr Ertragskraft. „Der Turnaround ist geschafft“, sagte er. Für 2004 erwartet er wieder einen Gewinn.

Zitat:

„Ich halte das so lange aus, wie es mir Spaß macht“ – DBV-Chef Hartmut Nickel-Waninger

Quelle: Financial Times Deutschland


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