Hannover Rück enttäuscht Investoren

Umsatzrückgang führt zum Einbruch des Aktienkurses · Gewinn steigt deutlich

Von Herbert Fromme, Köln Investoren haben den Rückversicherer Hannover Rück gestern für den starken Rückgang seiner Prämieneinnahmen abgestraft: Die Aktie des Unternehmens sackte in einem ohnehin schwachen Markt für Versicherungsaktien zwischenzeitlich um mehr als 6 Prozent ab. Sie notierte schließlich bei 26,35 Euro, ein Rückgang um 4,87 Prozent. Anleger und Analysten nahmen dem Unternehmen, das mit 51,2 Prozent mehrheitlich zur HDI/Talanx-Gruppe gehört, den Einbruch der Prämieneinnahmen im ersten Quartal um 21,8 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro übel. Das geht zum Teil auf die Schwäche des US-Dollars gegenüber dem Euro zurück. Aber auch ohne diesen Effekt nahm die Hannover Rück 15,2 Prozent weniger ein.

Konzernchef Wilhelm Zeller hatte den Investoren schon vor Monaten geringere Einnahmen angekündigt. Offenbar war der Rückgang im ersten Quartal aber wesentlich stärker als Analysten und Anleger erwartet hatten. Das konnten die deutlich verbesserten Zahlen für operativen Gewinn und Nachsteuerergebnis nicht ausgleichen. Die Hannover Rück verdiente nach Steuern 97 Mio. Euro nach 71,2 Mio. Euro im VorjahresquartalEuro.

Rückversicherer helfen Erstversicherern, die direkt mit Endkunden Geschäfte machen, bei der Abdeckung von Groß- und Katastrophenrisiken. Das Geschäft ist kapitalintensiv, international und notorisch volatil.

Bisher hatte die Hannover Rück das gesamte in Rückdeckung gegebene Geschäft der Muttergesellschaft HDI und der Schwestergesellschaften im Konzern übernommen, davon aber einen großen Teil an andere Rückversicherer weitergegeben. Jetzt versichern sich die Talanx-Gesellschaften direkt bei Rückversicherern außerhalb des Konzerns. Rating-Agenturen hatten die früher entstandenen hohen Außenstände der Hannover Rück kritisiert. Die Aufgabe des Konzerngeschäfts führte zu einem fühlbaren Rückgang des Volumens für die Hannover Rück.

Dazu kommt Zellers Geschäftspolitik, möglichst nur profitable Geschäfte zu tätigen. Die Hannover Rück ist in der Branche bekannt dafür, dass sie im positiven Sinn opportunistisch ist. „Bis Ende des Jahrzehnts werden wir Marktanteil verlieren“, prophezeite Zeller im März.

Auch das Management der Kapitalanlagen führte zur Verwirrung im Markt: Das Unternehmen verkaufte im März lang laufende Anleihen und realisierte so rund 70 Mio. Euro. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers schützte die Hannover Rück sich damit gegen die Kosten von Zinsanstiegen, „die im April prompt eintraten“. „Einige Marktteilnehmer haben aber wohl geglaubt, wir hätten mit den 70 Mio. Euro unser Ergebnis geschönt“, sagte er. Das sei schon deshalb nicht der Fall, weil beim Verkauf der Anleihen Währungsverluste in Höhe von 79 Mio. Euro realisiert wurden. „Wir haben nichts geschönt.“

Ebenfalls negativ zu Buche schlug die Entwicklung bei der US-Tochter Clarendon, die so genanntes Programmgeschäft versichert. Das sind regulär schwer abzudeckende Risiken, zum Beispiel Kraftfahrtdeckungen für Fahrer mit vielen Schäden, die zu hohen Preisen übernommen werden. Die Prämieneinnahmen im Programmgeschäft gingen um 24,5 Prozent auf 478 Mio. Euro zurück. Beunruhigender muss für Zeller aber die Entwicklung bei der Schaden- und Kostenquote im Programmgeschäft sein: Sie verschlechterte sich deutlich von 92,1 Prozent der Beitragseinnahmen auf 97,4 Prozent.

Quelle: Financial Times Deutschland


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