HDI profitiert von Gerling-Schwäche

Versicherung schiebt sich im Industriegeschäft vor Kölner Rivalen auf Rang zwei · Gruppe an Zukäufen interessiert

Von Ilse Schlingensiepen, Hannover Der HDI hat in der Industrieversicherung nach eigenen Angaben den Konkurrenten Gerling von dem zweiten Rang in Deutschland verdrängt. Die HDI Industrie Versicherung AG verbuchte 2003 einen Sprung bei den Prämieneinnahmen um 30 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro. „Wir glauben, dass wir der zweitgrößte Industrieversicherer unter den deutschen Gesellschaften sind“, sagte der Vorstandsvorsitzende Christian Hinsch. Die Allianz ist Marktführer.

Damit zieht HDI Kapital aus der Krise des Gerling-Konzerns, dessen Umbau zu Unruhe bei den Kunden geführt hatte: „Wir haben natürlich profitiert von der Situation bei den Wettbewerbern“, sagte Hinsch: „Wir standen im richtigen Moment parat, weil wir keine Zweifel hatten, dass wir ein Industrieversicherer sind und auch in Zukunft sein wollen.“

Die Industrieversicherung war lange defizitär, weil die Preise im Wettbewerb stark gesunken waren. Das hat sich nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 drastisch verändert. 2003 sei der Markt erfreulich gewesen, sagte Hinsch: „Die Versicherer konnten die Preise bekommen, die sie haben müssen.“

Nach Einschätzung des HDI gibt es zurzeit keine Anzeichen für eine erneute Aufweichung des Marktes. Ein Verfall des Preisniveaus sei nicht zu erkennen, sagte der Vorstandsvorsitzende. „Auf überschaubare Zeit rechnen wir nicht mit einem drastischen Rückgang.“ Im Haftpflichtsektor könne es sogar noch Preissteigerungen geben. „In der Managerhaftpflicht etwa sind bei einzelnen Risiken durchaus noch Verschärfungen beim Preis oder den Bedingungen möglich“, sagte Hinsch.

Bis Mitte 2003 zeichnete der Versicherungsverein HDI VaG das Industriegeschäft der Hannoveraner Gruppe. Im Zuge der Umwandlung der HDI-Gruppe in den Talanx-Konzern wurde das Industriegeschäft auf die HDI Industrie Versicherung AG übertragen. Der Verein ist jetzt Eigentümergesellschaft, außerdem übernimmt er ein Promille des Industriegeschäfts der HDI Industrie Versicherung. Sonst würde er seinen Status als Versicherungsverein verlieren. Die Konzernleitung liegt bei der Talanx. Als operative Gesellschaften kümmern sich die HDI Privat Versicherung um das Privatkunden- und die HDI International Holding um das Auslandsgeschäft.

Die drei HDI-Gesellschaften verbuchten im Jahr 2003 Bruttoprämieneinnahmen von 3,1 Mrd. Euro, eine Steigerung um 16,9 Prozent. Davon stammten 642 Mio. Euro aus dem Privatkundengeschäft, 3,2 Prozent mehr als 2002. Die Auslandsgesellschaften brachten 980 Mio. Euro, ein Plus von 10,4 Prozent.

„Wir wollen im Ausland weiter wachsen“, sagte Hinsch. Dabei schließt er Zukäufe nicht aus. „Wir prüfen das eine oder andere, stehen aber nicht direkt vor einem Abschluss“, berichtete er. Auch in Deutschland seien weitere Akquisitionen durch die Talanx möglich.

Für 2004 rechnet Hinsch mit einem Wachstum der drei Versicherer von 3,7 Prozent. In den ersten Monaten lägen die Zahlen bislang aber deutlich darüber. Zusatzgeschäft erhofft sich HDI von einer Kooperation mit DaimlerChrysler. 3500 bis 4000 Vertragshändler sollen ab 1. Juli den Autokäufern auch Versicherungspolicen verkaufen. Sie laufen unter dem Label DaimlerChrysler, „aber HDI ist drin“, so Hinsch. Der Autohersteller peile beim Neuwagenabsatz eine Quote von 20 bis 25 Prozent verkaufter Versicherungsverträge an, berichtete Vorstand Michael Rohe: „Das ist eine sehr anspruchsvolle Zielsetzung, aber aus meiner Einschätzung mittelfristig nicht unrealistisch.“

Zitat:

„Wir haben von der Situation bei den Wettbewerbern profitiert“ – Christian Hinsch, HDI-Chef

Bild(er):

Der Vorstandschef der HDI-Gesellschaften, Christian Hinsch, posiert am Rande der Pressekonferenz in Hannover vor dem Logo seines Konzerns – ddp/Jochen Luebke

Quelle: Financial Times Deutschland


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