Initialzündung

Steueränderung

Der weitgehende Wegfall des Steuerprivilegs in der Lebensversicherung wird Folgen haben, die den bloßen Ersatz einer Produktgeneration durch die nächste übertreffen. Auf dem Prüfstand steht nach Ansicht von Experten die Struktur des deutschen Marktes mit seinen mehr als 100 Unternehmen, die meisten davon mit minimalen Marktanteilen von deutlich unter einem Prozent. Radikal ändern werde sich vermutlich auch die bisherige Struktur des Vertriebs, bei der sich deutsche Versicherer immer noch größtenteils auf ihre eigenen Vertreter konzentrierten.

Fusionswellen in der Assekuranz sind oft vorhergesagt worden – ohne einzutreten. Gleichwohl gebe es gute Gründe dafür, dass es dieses Mal anders sein werde, heißt es in der Branche. Mit der Abschaffung des Steuerprivilegs habe Berlin für Gewinner und Verlierer unter den Versicherern gesorgt.

Gewinner seien Gesellschaften, die mit diversifizierten Vertriebswegen arbeiten, gut im Bankgeschäft vertreten sind, deren Neugeschäft in großem Maße aus der betrieblichen Altersversorgung stammt und deren Vertreter gelernt haben, auch reine Finanzprodukte wie Investmentfonds zu verkaufen. Dazu gehörten die meisten großen Gesellschaften, aber auch einige der kleinen und mittleren Unternehmen. Wer wie die Allianz die Provisionen für seine Vertreter zu zwei Dritteln über das blühende Schaden- und Unfallgeschäft finanziere, habe erst recht wenig zu fürchten.

Verlierer seien die Versicherer, deren Vertreter vor allem vom Verkauf von Kapitallebensversicherungen leben. Sie müssten sich dramatisch umstellen, Produktpartner für Finanzangebote suchen und neue Vertriebswege auftun. Das dürfte die Kräfte so mancher Minigesellschaft überfordern. Bisher seien noch viele Zusammenschlüsse an überhöhten Preisvorstellungen der Verkäufer gescheitert. Die dürften sich aber sehr bald den neuen Umständen anpassen.

Herbert Fromme

Quelle: Financial Times Deutschland


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