Marktführer Allianz rüstet sich für den Verkauf der Rürup-Rente

Von Herbert Fromme, Köln In Vorbereitung auf die Steueränderungen hat Marktführer Allianz Leben eine komplett neue Produktgeneration entwickelt. „Es wird unter dem Namen ‚Private Basis Vorsorge‘ eine neue Produktgeneration geben“, hieß es bei der Allianz. Die Produkte seien fertig, die Schulung der Vertreter beginne jetzt.

Die Allianz verkauft die neuen steuerlich geförderten Leibrenten, auch „Rürup-Rente“ genannt. Sie dürfen nicht als Einmalzahlung ausgezahlt werden und sind weder beleih- noch vererbbar. Ab 2005 können Kunden die Beiträge für diese Produkte vom zu versteuernden Einkommen abziehen. Zunächst sind 60 Prozent der Beiträge bis 20 000 Euro abziehbar, also bis zu 12 000 Euro. Die Abzugsquote steigt bis 2025 um zwei Prozentpunkte an. Ab 2025 sind 100 Prozent steuerlich abzugsfähig. „Dies sind im Vergleich zu der heutigen Besteuerungsregelung enorme Vorteile für Kunden,“ sagte eine Allianz-Sprecherin.

WestLB-Versicherungsanalyst Carsten Zielke erwartet einen „Riesenboom“ durch die neuen Produkte. „Bis zu 12 000 Euro steuerfrei anzulegen ist ein gewaltiger Anreiz, vor allem für jüngere Kunden“, sagte Zielke. In Frankreich habe die Versicherungsgruppe CNP ein vergleichbares Produkt auf den Markt gebracht. „Die verkaufen 2000 Verträge davon täglich.“ Die neuen Produkte bedeuteten eine gewaltige Herausforderung an die Vertriebe. Zielke glaubt, dass Großvertriebe wie MLP oder AWD profitieren, während es die traditionellen Außendienste von Versicherern schwer haben. Da die Provisionsregelung ähnlich wie bei der traditionellen Lebensversicherung sei, wo der Kunde mit den ersten Beiträgen die Kosten für den Vertrieb zahlt, hätten die Vertriebe ein hohes Interesse an der Rürup-Rente – anders als bei der Riester-Rente, wo diese Vorwegberechnung nicht gilt.

Anders sieht das Bernhard Schareck, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. „Ein ähnlich unflexibles Leibrentenprodukt ist in Österreich kein Erfolg geworden und musste gerade drastisch modifiziert werden“, sagte er. Auch andere Manager sind skeptisch. „Wir mussten in der Vergangenheit die Produkte immer flexibler machen, was das Wahlrecht auf Kapitalauszahlung und andere Dinge anging“, sagte ein Assekuranzmanager. Sonst seien Policen nur schwer verkaufbar gewesen. „Ich glaube nicht, dass die neuen Produkte so einfach ein Erfolg werden.“

Zitat:

„Die neuen Produkte bringen einen Riesenboom“ – Carsten Zielke, WestLB

Quelle: Financial Times Deutschland


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