MLP räumt mit Lebenspolicen den Markt ab

Provisionseinnahmen schießen nach oben

Von Herbert Fromme, Köln Der Finanzvertrieb MLP hat seine Provisionseinnahmen im ersten Quartal um 63,2 Prozent auf 88,3 Mio. Euro gesteigert, teilte das Unternehmen gestern in Heidelberg mit. Davon stammte der größte Teil aus dem Verkauf von Lebensversicherungen. Einzelheiten will der Konzern am kommenden Mittwoch offen legen. Die Aktie war gestern der klare Tagessieger im MDax. Sie legte um 16,4 Prozent auf 12,03Euro zu.

Offenbar hat MLP die Schlussverkaufsstimmung wegen der umstrittenen Steuerpläne der Bundesregierung gut genutzt. Der Bundestag hat te auf Antrag der Koalition beschlossen, die Steuerfreiheit für Erträge aus Kapitallebensversicherungen ab 2005 zu streichen. Ob das Privileg tatsächlich fällt, ist aber noch offen: Der Bundesrat rief vergangenen Freitag den Vermittlungsausschuss an.

Auf jeden Fall gilt für Verträge, die bis Ende 2004 abgeschlossen werden, noch die alte Steuerbefreiung. Das ist ein sehr wichtiges Verkaufsargument für Versicherer und Vertriebe. Außerdem wirkt sich die zweite Stufe der Riester-Rente aus: Ab dem 1. Januar verdoppeln sich in der Regel die Beiträge. Das gilt als Neugeschäft, deshalb erhält MLP erneut eine Abschlussprovision von den Lebensversicherern.

MLP steigerte das Vorsteuerergebnis gegenüber dem ersten Quartal 2003 um 52,1 Prozent – von 9,6 Mio.Euro auf 14,6 Mio. Euro. Allein der Kerngeschäftsbereich Vertrieb verdiente 13,3 Mio. Euro. Die Strategie des neuen Konzernchefs Uwe Schroeder-Wildberg, sich auf das Verkaufen zu konzentrieren und die Unabhängigkeit von einzelnen Produktanbietern zu betonen, zahlt sich offenbar aus. Die eigenen Versicherer – die ohnehin in den meisten Fällen nur Policen anderer Gesellschaften bündeln – und die eigene Bank sind für den Gewinn der Gruppe unwichtig geworden.

Bereits Ende April hatte MLP mitgeteilt, dass der hohe Zuwachs im ersten Quartal seine Ursache vor allem in der intensiven Bearbeitung des vorhandenen Kundenstamms hat. Die Zahl der Neukunden lag dagegen mit 9500 deutlich unter den 13 000 des ersten Quartals im Vorjahr. Die Zahl der Vertreter ging um 10 Prozent auf 2700 zurück. Im vergangenen Jahr musste das Unternehmen mit Fluktuationsraten von 20 Prozent bis 25 Prozent bei seinen Vertretern fertig werden. Inzwischen sieht Schroeder-Wildberg hier aber eine Entspannung.

Quelle: Financial Times Deutschland


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