Münchener Rück verdient wieder Geld

Konzernchef von Bomhard präsentiert Quartalsgewinn von 534 Mio. Euro · Hauptversammlung verpasst Ex-Chef Schinzler Denkzettel

Von Herbert Fromme, Köln Mit einem deutlich positiven Quartalsergebnis hat die Münchener Rück nach zwei schweren Krisenjahren wieder Tritt gefasst. Der weltgrößte Rückversicherer habe in den ersten drei Monaten 2004 solide 534 Mio. Euro verdient, sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard gestern auf der Hauptversammlung in München. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres betrug der Verlust 557 Mio. Euro, berechnet nach der seit dem 1. Januar 2004 verwendeten Bilanzierungsmethode IAS 39 neu. Von Bomhard hatte Hans-Jürgen Schinzler im Januar 2004 als Chef abgelöst.

Bei der Aufsichtsratswahl verpassten Großaktionäre Schinzler einen deutlichen Denkzettel: Zwar wurde er wie geplant in den Aufsichtsrat und später auch zum Vorsitzenden gewählt – er erhielt mit acht Prozent aber ungewöhnlich viele Gegenstimmen. Auch Albrecht Schmidt, gleichzeitig Aufsichtsratschef der HypoVereinsbank (HVB), musste sieben Prozent Gegenstimmen hinnehmen. Die meisten anderen Aufsichtsratsmitglieder wurden mit nur drei Prozent Opposition gewählt.

Vorher hatten institutionelle Anleger, darunter die größte deutsche Fondsgesellschaft DWS sowie Deka Investment und SEB Invest, die Einzelabstimmung bei der Aufsichtsratswahl durchgesetzt. Die Münchener Rück wollte, wie in den Vorjahren, en bloc wählen lassen.

Nikolaus Pöhlmann, Portfoliomanager bei DWS, bemängelte den schlechten Verlauf der Aktie des Rückversicherers. Konkurrent Hannover Rück habe deutlich besser abgeschnitten, „ganz zu schweigen von den Wettbewerbern in Übersee“. Die unterdurchschnittliche Entwicklung der Aktie habe „ihre Ursache in Versäumnissen des Managements“, sagte Pöhlmann. Er und andere Sprecher großer Anleger äußerten sich kritisch zu der Absicht, den ausgeschiedenen Konzernchef Schinzler zum Aufsichtsratschef zu wählen. Auch der Vorschlag, HVB-Aufsichtsratschef Schmidt in den Aufsichtsrat zu wählen, stieß auf Ablehnung. Ein Mandat bei der Münchener Rück, die 18,4 Prozent an der HVB hält, könnte Interessenkonflikte schaffen, hieß es.

Von Bomhard wiederholte das „sehr anspruchsvolle Ergebnisziel“ von 2 Mrd. Euro nach Steuern für 2004. Überraschungen in Form von Groß- und Katastrophenschäden könnten nie ausgeschlossen werden: „Deshalb handelt es sich bei den 2 Mrd. Euro auch um ein Ziel und nicht um eine Prognose.“ Im Vorjahr war der Konzern das erste Mal seit mehr als 50 Jahren in die roten Zahlen gestürzt.

Die Schaden- und Kostenquote, die zentrale Messgröße der Branche, hat sich weiter verbessert. In der Rückversicherung (ohne Leben und Kranken) gab der Konzern im ersten Quartal dieses Jahres 96,3 Prozent der Beitragseinnahmen für Schäden und Kosten aus, im Vorjahresquartal waren es 96,8 Prozent.

Nicht zufrieden zeigte sich von Bomhard mit dem Umsatz, der um 4,3 Prozent auf 10,4 Mrd. Euro zurückging. In der Erstversicherung betrug der Rückgang nur moderate 1,4 Prozent, aber in der Rückversicherung waren es heftige 5,4 Prozent. „Der Rückgang ist zu einem erheblichen Teil währungsbedingt, bereinigt um Währungseinflüsse beträgt er nur 0,7 Prozent“, sagte von Bomhard. Aber auch das sei nicht zufrieden stellend: „Wir wollen die Gründe eingehend untersuchen.“ Die Münchener Rück verliere das Wachstum nicht aus den Augen, sagte er. Wachstum ohne Verwässerung der Profitabilität sei aber „nicht einfach“. Ein Weg sei das Management von Innovationen. „Innovationsteams“ sollten neue Geschäftsmöglichkeiten und -modelle entwickeln.

Eine weitere Dauer-Problemzone ist der US-Markt. Die Tochter American Re hat die Rückkehr in die Profitabilität geschafft. „Diese Profitabilität wollen wir sichern“, sagte von Bomhard. Die größte Herausforderung dabei sei wegen der hohen Schadensersatzansprüche das US-Haftpflichtgeschäft. Auch wenn es gegenwärtig Entwicklungen gebe, die günstig für die Versicherer seien, solle niemand erwarten, sie könnten das US-Rechts- und Haftpflichtsystem als solches ändern. Stattdessen müsse die Münchener Rück durch „geeignete Maßnahmen“ dafür sorgen, dass die US-Tochter trotz des Umfelds ertragreich arbeite. Konkreter wurde er nicht.

Die Gruppe werde den Verkauf von Beteiligungen „marktschonend“ fortsetzen, sagte von Bomhard. Sie ist außer an der HVB mit gut zwölf Prozent an der Allianz und mit 9,5 Prozent an der Commerzbank beteiligt. In den Diskussionen über eine Bankenfusion könne die Münchener Rück sich nicht als Königsmacher einschalten, wolle aber Einfluss nehmen. Mit der HVB hat die Münchener Rück ein Vertriebsabkommen.

Bild(er):

Auf der Hauptversammlung der Münchener Rück bemängelten Aktionäre die schlechte Performance der Aktie – ddp/Johannes Simon

Quelle: Financial Times Deutschland


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