Ruhrgas will Preise anheben

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Kopplung an Öl führt zu Verteuerung / Profit mehr als verdoppelt / Vorstand kritisiert Emissionshandel

Nach Öl und Benzin wird auch Erdgas teurer. Michael Pfingsten, Vorstandsmitglied des größten deutschen Gas-Importeurs Ruhrgas, kündigt für 1. Oktober eine Preiserhöhung von sieben bis acht Prozent an.

Essen · 11. Mai · Die Verteuerung liegt an der Ölpreis-Bindung, die in allen Importverträgen für Erdgas mit den Produzenten in Russland oder Norwegen festgeschrieben ist. Kostet das Öl mehr, so schlägt sich das mit einigen Monaten Verzögerung auch beim Gas nieder.

Zwar beliefert Ruhrgas nur Stadtwerke und andere Weiterverteiler und keine Verbraucher. Die meisten Abnehmer von Ruhrgas werden den Preisanstieg aber mit großer Wahrscheinlichkeit an die privaten Haushalte weitergeben. „Zu welchem Zeitpunkt und in welchem Umfang das erfolgt, hängt natürlich davon ab, wie teuer das Gas vor Ort zurzeit ist“, so Pfingsten.

Die jüngste größere Anhebung Anfang 2003 sei nur auf die höhere Erdgas-Steuer zurückzuführen gewesen, erklärte Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann. Die Steuerbelastung für Haushalte liegt bei Gas derzeit bei 0,55 Cent pro Kilowattstunde, dies entspricht ungefähr 15 Prozent des Gesamtpreises. Werbung für Erdgas-Autos

Für Ruhrgas ist dennoch jetzt der Zeitpunkt gekommen, um sich für Autos ins Zeug zu legen, die mit dem flüchtigen Treibstoff angetrieben werden. „Natürlich wird auch das Gas teurer, aber es ist doch unschlagbar günstiger als Kraftstoff“, so Pfingsten.

Derzeit sind in Deutschland rund 19 000 Fahrzeuge mit Erdgas-Antrieb unterwegs. Sollen es mehr werden, muss vor allem die Zahl der Gas-Tankstellen steigen. Rund 420 von ihnen gibt es bereits. Bis 2007, so erwartet Ruhrgas, sollen es 1000 sein. „Diese Entwicklung braucht Zeit“, so Bergmann. „Wichtig ist, dass die Autohersteller jetzt entsprechende Typen anbieten.“

Scharf kritisierte er den europäischen Alleingang beim Handel mit Emissionsrechten. Weil bislang kein Land außerhalb der Europäischen Union mitmachen wolle, werde das Ergebnis nicht positiv für den Klimaschutz, sondern negativ für die europäische Wirtschaft sein. Vor allem für Deutschland sieht Bergmann wirtschaftliche Gefahren. Hier zu Lande sollen drei Viertel der gesamten Kohlendioxid-Reduktion innerhalb der EU erreicht werden.

Die Erhöhung der Erdgas-Steuer sorgte bei Ruhrgas im vergangenen Jahr für einen Sprung beim Umsatz. Er stieg um 15 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro. Der Nettogewinn hat sich mehr als verdoppelt. Er erreichte 909 Millionen Euro, nach 432 Millionen Euro im Vorjahr. Das liegt zum einen an erfolgreichen Tochterunternehmen im In-und Ausland – Ruhrgas hat unter anderem Anteile an der Frankfurter Gas-Union und MVV in Mannheim.

Hinzu kommen Gewinne aus Verkäufen von Beteiligungen. Ruhrgas musste sich unter anderem von den Anteilen am Gastransporteur Bayerngas aus München trennen. Dies hatte das Bundeswirtschaftsministerium bestimmt. Das Haus von Ressortchef Wolfgang Clement gab der Düsseldorfer Eon im vergangenen Jahr die Erlaubnis, Ruhrgas trotz massiver Bedenken des Bundeskartellamts zu schlucken.

Durch die Übernahme sei ein Stellenabbau vermieden worden, betont Bergmann. Ruhrgas beschäftigte im vergangenen Jahr rund 2600 Frauen und Männer, ebenso viele wie in der Vorperiode.

Die Essener verkauften zuletzt rund 640 Milliarden Kilowattstunden Gas, das war ein neuer Rekord in der Unternehmensgeschichte. Dazu trug vor allem der kalte Winter bei. Deutschland ist nach Angaben von Ruhrgas weltweit der zweitgrößte Importeur von Erdgas.

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Quelle: Financial Times Deutschland


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