Sparkassenversicherer streicht Stellen

Neuer Assekuranzkonzern will Kosten in drei Jahren um 20 Prozent senken

Von Herbert Fromme, Stuttgart Der aus den Sparkassenversicherern in Stuttgart und Wiesbaden fusionierte neue südwestdeutsche Assekuranzkonzern will in drei Jahren die Kosten um 20 Prozent senken. Dabei sollen bis zu 660 der 3070 Innendienst-Arbeitsplätze wegfallen, sagte Reinhard Schäfer, bis Ende Dezember 2004 Vorstandschef der Gruppe, vor Journalisten in Stuttgart.

Die neue Gruppe mit den Namen Sparkassenversicherung Holding und Sitz in Stuttgart will den Stellenabbau ohne Kündigungen erreichen. „Wir schließen betriebsbedingte Kündigungen aber nicht grundsätzlich aus“, sagte Heinrich Haasis, Aufsichtsratschef und Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg. Der Verband hält mit 59,9 Prozent die Mehrheit, die Landesbank Baden-Württemberg hält 3,2 Prozent, die Sparkassen in Hessen-Thüringen und Rheinland-Pfalz 36,9 Prozent.

„Wir haben zur Zeit im Schaden- und Unfallbereich eine Kostenquote von 29,5 Prozent der Beiträge“, sagte Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl, der am 1. Januar 2005 Vorstandschef werden soll. „Die öffentlichen Versicherer kommen im Durchschnitt mit rund 25 Prozent aus. Da wollen wir 2007 sein.“

Der Erfolg der neuen Gruppe mit ihren Töchter für Leben und Schaden-Unfall könnte wegweisend für weitere Zusammenschlüsse öffentlich-rechtlicher Versicherer sein. Sie arbeiten strikt auf regionaler Basis und konkurrieren deshalb nicht direkt miteinander. Zusammen bilden sie nach der Allianz zwar die zweitgrößte Versicherungsgruppe in Deutschland – aber sie haben ihre Kraft bisher kaum gebündelt. Die Fusion zwischen Stuttgart und Wiesbaden könnte den Druck in anderen Regionen verstärken, ebenfalls größere Einheiten zu bilden. Auch die Provinzial-Gruppen in Münster und Kiel sprechen über eine Fusion, Gespräche über eine Dreierlösung mit Düsseldorf waren bislang erfolglos. Gestern abend wollten die drei Gruppen und ihre Eigner erneut zu Verhandlungen zusammen kommen.

Die Fusion zwischen Stuttgart und Wiesbaden schafft den zweitgrößten öffentlichen Versicherer mit 2,7 Mrd. Euro Prämieneinnahme. Nur die Bayern sind mehr als 4,5 Mrd. Euro größer. „In der Gebäudeversicherung sind wir sogar der größte Versicherer Deutschlands mit 10,5 Prozent Marktanteil, obwohl unser Geschäftsgebiet nur 20 Prozent der Bevölkerung abdeckt“, sagte Schäfer. Die Allianz kommt auf 3,5 Prozent.

Der Zusammenschluss kam zustande, weil die Sparkassen als Eigner Druck machten – neben Haasis in Stuttgart war das Gregor Böhmer, sein Pendant in Hessen-Thüringen. Allerdings mussten auch sie auf zahlreiche politische und regionale Ansprüche Rücksicht nehmen. So gibt der Fusionsvertrag den sechs Zweigniederlassungen bis 2010 eine Bestandsgarantie. Sie sollen den Vertrieb steuern und die Verträge bearbeiten. Politischem Druck ist es auch geschuldet, dass ein Vorstandsmitglied einen zweiten Sitz in Wiesbaden hat. Die Berufung Wolff von der Sahls zum künftigen Vorstandschef sei Teil eines Kompromisspaketes mit Hessen-Thüringen, sagte Aufsichtsratschef Haasis.

Die Fusionskosten bezifferte das Unternehmen mit 118 Mio.Euro, die Einsparungen pro Jahr ab 2007 auf 50 bis 60 Mio. Euro. Weitere Zusammenschlüsse der neuen Gruppe mit anderen Sparkassenversicherern wird es in absehbarer Zeit nicht geben, sagte Haasis. Das gilt offenbar auch für die expansionswillige Versicherungskammer Bayern, mit der Stuttgart ohnehin schon kooperiert, zum Beispiel in der EDV. Zunächst habe man die Fusion Wiesbaden-Stuttgart zu erledigen, sagte Haasis. „Wenn das erst einmal gut läuft, werden wir sehen, wer alles zu uns will.“

Zitat:

„Wir werden sehen, wer alles zu uns will“ – Aufsichtsratschef Heinrich Haasis zu künftigen Fusionsplänen

Quelle: Financial Times Deutschland


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