Verbands-Fehde bedroht Fusionsplan der Sparkassen-Versicherer

Zusammenschluss von Provinzial in Düsseldorf und Münster steht auf der Kippe · Zerwürfnis wegen WestLB behindert Gespräche

Von Herbert Fromme, Köln Die Fusion der Provinzial-Versicherer in Münster und Düsseldorf steht auf der Kippe. In Münster wird stattdessen eine Fusion mit der Provinzial Nord in Kiel ins Gespräch gebracht.

Mit einer Kombination der drei Provinzial-Gruppen würde ein mächtiger neuer Spieler auf Deutschlands Versicherungsmarkt entstehen. Alle Sparkassenversicherern zusammen kommen auf rund 14 Mrd. Euro Prämien. Bisher nutzen sie ihre Kraft aber kaum gemeinsam, sondern bleiben strikt in ihren Regionen. Jetzt kommt Bewegung in die Szene. Heute wollen sich die Eigner der drei Provinzial-Versicherer in Münster treffen. Das sind vor allem die Sparkassenverbände. Die Zusammenkunft wurde am 30. März verabredet, als der geplante Dreierbund der Provinzial-Versicherer in Düsseldorf, Münster und Kiel mit dem Projektnamen „ProPlus“ scheiterte.

Damals hatten die Eigner der Provinzial Rheinland dem ursprünglichen Fusionsmodell eine Absage erteilt. Stattdessen favorisierten sie eine Vollfusion zwischen Münster und Düsseldorf. Nur der Lebensversicherer der Kieler Schwester dürfe sich an der fusionierten Lebensversicherung beteiligen, hieß es damals.

Die Prüfung dieser Option ist jetzt abgeschlossen. Darüber werden die Eigner heute ab 17 Uhr beraten. Für später am Abend wurde ein zweites Treffen angesetzt: Dabei sitzen nur die Eigner der Versicherer in Münster und Kiel am Tisch.

Die Aussichten auf eine Einigung über die Ehe Münster und Düsseldorf sind inzwischen gering. Zwischen dem rheinischen Sparkassenpräsidenten Karlheinz Bentele und seinem westfälischen Kollegen Rolf Gerlach herrscht Eiszeit. Grund sind die schweren Differenzen über die richtigen Schritte bei der WestLB und Gerlachs unverhohlene Versuche, einen einheitlichen Verband in Nordrhein-Westfalen unter seiner Führung zu schaffen.

Von Gerlach kommen deutliche Worte. „Eine Zweier-Fusion mit Düsseldorf wird es nicht geben“, sagte er der „Rheinischen Post“. „Wir schmieden ein Dreier-Bündnis mit Kiel, oder Münster und Kiel gehen allein zusammen.“ Die Rheinländer haben sich inzwischen auf Münster als Hauptsitz einer möglichen neuen Gesellschaft eingelassen. Mit weniger als 50 Prozent der Anteile wollen sie sich aber nicht zufrieden geben. In Münster verweist man auf die höhere Kapitalkraft und auf Bewertungs-Schätzungen während der Arbeiten am Fusionsprojekt, nach denen Münster 50 Prozent, Düsseldorf 40 Prozent und Kiel 10 Prozent an der neuen Holding halten sollte.

Quelle: Financial Times Deutschland


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