Credit Suisse bereitet Neustart vor

Co-Chef Mack muss gehen · Versicherer Winterthur steht zum Verkauf · Kampf um Nachfolge an Konzernspitze

Von Sven Clausen, Frankfurt, und Herbert Fromme, Köln Die Schweizer Großbank Credit Suisse hat einen weitreichenden internen Umbau angestoßen und damit die Entscheidung über eine Kombination mit einem anderen Kreditinstitut verschoben. „Die Fusion mit einem anderen Finanzdienstleistungsunternehmen ist für uns zum jetzigen Zeitpunkt kein Thema“, sagte Verwaltungsratspräsident Walter Kielholz nach einer Sitzung seines Gremiums mit mehreren spektakulären Entscheidungen in New York.

Investoren und Branchenkollegen hatten Zusammenschlüsse gefordert, nachdem zuletzt in den USA mehrere Banken Milliardenfusionen gewagt hatten – etwa JP Morgan und Bank One oder Bank of America und Fleet Boston. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte daraufhin eine „europäische Antwort auf die amerikanische Herausforderung“ gefordert. Zuletzt hatte es in Frankfurter Finanzkreisen geheißen, Ackermann habe dabei durchaus eine Kombination der Deutschen Bank mit der Credit Suisse im Sinn.

Dessen Verwaltungsrat versetzte der Fusionsfantasie jetzt einen deutlichen Dämpfer: Der Vertrag mit dem Co-Vorstandschef John Mack werde nicht verlängert, ab 13. Juli führe Oswald Grübel die Credit Suisse allein, teilte die Bank nach der Sitzung mit. Der 59-jährige Mack galt als Befürworter einer Kombination mit einer anderen Großbank – entweder des gesamten Konzerns oder der Investmentbanking-Einheit Credit Suisse First Boston (CSFB), die er selbst noch bis Mitte Juli leitet. Keiner der Beteiligten nannte offiziell Gründe für Macks Ausscheiden. Der Amerikaner selbst will sich nach eigenen Angaben bis Mitte Juli zum Urlaub nach Afrika zurückziehen.

Gleichzeitig machte Kielholz ein unverhohlenes Verkaufsangebot für die Versicherungstochter Winterthur, die der Deutsche Leonhard Fischer leitet. „Wir wollen die Profitabilität der Winterthur weiter verbessern, aber gleichzeitig alle Optionen prüfen, um den Wert des Versicherungsgeschäfts für unsere Stakeholders zu optimieren“, sagte Kielholz im Anschluss an die Sitzung. Konzernchef Oswald Grübel sagte, die Winterthur sei für die Credit Suisse nur noch eine Finanzinvestition, die Allfinanz-Strategie kein Thema mehr.

Die Schweizer hatten das Geschäft 1997 für damals umgerechnet rund 8,7 Mrd. Euro erworben. Inzwischen hat die Gruppe vor allem international Geschäft abgegeben. Um die Winterthur leichter verkaufen zu können, wird sie künftig unter dem Dach der Gruppe als eigene, dritte Rechtseinheit neben CSFB und Credit Suisse geführt, in dem das Geschäft mit Unternehmens- und Privatkunden konzentriert ist.

Für die Winterthur interessiert sich eine Reihe von europäischen Versicherern. Bereits angefragt hat nach FTD-Informationen die HDI/Talanx-Gruppe in Hannover. HDI-Chef Wolf-Dieter Baumgartl hatte in der vergangenen Woche erklärt, eine sehr große Übernahme sei möglich. Ebenfalls interessiert sein dürften die italienische Generali und die Axa aus Frankreich. Beide Unternehmen haben erklärt, dass sie nach der Überwindung der Aktienkrise Zukäufe suchen. Allianz-Chef Michael Diekmann dagegen hatte in der FTD in einem Interview am Freitag gesagt, Europas Marktführer wolle sich zumindest in Deutschland aus Großübernahmen heraushalten.

John Mack hatte CSFB seit Juli 2001 geführt, nachdem er zuvor drei Jahrzehnte für Morgan Stanley in New York gearbeitet hatte. Nach einer Rosskur mit dem Abbau Tausender hochdotierter Stellen schaffte er 2003 einen deutlichen Gewinn: CSFB landete mit 870 Mio. $ in den schwarzen Zahlen – und verhalf dem Konzern damit zu dem satten Gewinn von 4,2 Mrd. $. Allerdings fiel die Einheit zuletzt in den Ranglisten der Branche hinter die Konkurrenz zurück: Nach den Zahlen des Informationsdienstes Dealogic rutschte CSFB bei der Beratung von Übernahmen in den USA in diesem Jahr aus den Top Ten, nachdem sie im Vorjahr noch unter den Top Five rangierte.

Mit der neuen Struktur nimmt auch das Rennen um die Nachfolge des 60-jährigen Grübel Fahrt auf. Macks Position an der CSFB-Spitze wird der 44-jährige US-Amerikaner Brady Dougan einnehmen. Gegen ihn tritt das Schweizer Eigengewächs Walter Berchtold an. Dem 42-Jährigen verlieh der Verwaltungsrat am Donnerstag den Titel des Vorstandschefs der Credit Suisse. Seit 1. April ist er schon für das Kerngeschäft der Bank verantwortlich.

Bild(er):

Die gemeinsame Zeit für Oswald Grübel (l.) und John Mack ist abgelaufen. Nach dem 13. Juli führt Grübel Credit Suisse allein – AP/Keystone/Walter Bieri

Quelle: Financial Times Deutschland


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