Gothaer schließt ihren Rückversicherer

Gothaer Rück wird abgewickelt · Konzern fürchtet hohen Kapitalaufwand bei Weiterbetrieb

Von Herbert Fromme, Köln Die Versicherungsgruppe Gothaer schließt ihren Rückversicherer Gothaer Rück. Nach FTD-Informationen soll das Unternehmen schon heute das Neugeschäft einstellen. Die Gothaer Rück wird rückwirkend zum 1. Januar 2004 mit der Gothaer Finanzholding verschmolzen. Bestehende Verträge mit den Kunden des Rückversicherers, den Erstversicherern, sollen gekündigt oder in den nächsten Jahren mit einer Rumpfmannschaft abgewickelt werden.

Die Gothaer Rück gehört zu 73 Prozent der Gothaer, zu 27 Prozent der Gen Re, die Teil des Imperiums des US-Investors Warren Buffett ist. Die Gen Re wird auf Grund eines Wertgutachtens vom Gothaer-Konzern ausgezahlt.

Ein Unternehmenssprecher bestätigte die Schließung. Sie habe nichts mit einer Schieflage oder mit Verlusten zu tun, sondern beruhe auf einer „grundlegenden strategischen Entscheidung“ über die Zukunft des Konzerns. „Die Gothaer Rück ist eine gewinnbringendes Unternehmen“, sagte der Sprecher.

Wenn der Rückversicherer weiterbestehe und das Geschäft ausbaue, benötige er in den nächsten Jahren sehr viel Kapital von der Muttergesellschaft. Die schärferen Eigenkapitalvorschriften, die, analog zu „Basel II“ bei den Banken, „Solvency II“ bei den Versicherern heißen, trügen dazu ebenso bei wie die neuen Bilanzierungsvorschriften nach dem internationalen Standard IAS.

„Der Konzern hat beschlossen, das Geld stattdessen in den Ausbau der Erstversicherung zu stecken“, sagte der Sprecher weiter.

Mit der Schließung geht der Konsolidierungsprozess in der kapitalintensiven Rückversicherungsbranche weiter. Schon 2002 musste der Gothaer-Nachbar Gerling Globale Rück, immerhin das sechstgrößte Unternehmen seiner Branche in der Welt, das Neugeschäft nach hohen Verlusten und mangels eines Investors einstellen. Die Münchener Rück schloss ihre Tochtergesellschaft Victoria Rück mit Wirkung 2003.

Die Gothaer Rück hat rund 100 Beschäftigte. Im laufenden Jahr werde es keine Kündigungen geben, ab 2005 könnte es dazu kommen, sagte der Sprecher. Möglicherweise könne der Konzern auch bestimmte Geschäftsfelder, so genannte Erneuerungsrechte, verkaufen. „Dann gehen vielleicht auch Mitarbeiter mit.“

Der Verkauf der gesamten Gothaer Rück an einen Wettbewerber sei keine Alternative zur Schließung gewesen, sagte der Sprecher weiter. „Die Gothaer Rück hat sehr hohe Reserven. Da ist die Abwicklung, der so genannte Run-off, lukrativer als ein Verkauf“, sagte der Sprecher. Denn dabei hätte die Gruppe wegen des hohen Kapitalbedarfs in der Branche nur einen relativ niedrigen Preis erzielt.

Die Gothaer Rück zielte auf kleinere und mittlere Versicherer als Kunden. Mit 370 Mio. Euro Prämieneinnahmen im Jahr 2003 gehört das Unternehmen zu den kleinen Rückversicherern. Trotzdem spielte es vor allem bei Versicherungsvereinen eine wichtige Rolle. Erst Mitte 2002 hatten die Aktionäre das Kapital des Unternehmens um 15 Mio. Euro gestärkt. Ende 2003 hatte Unternehmenschef Wilfried Müller für das Jahr einen Gewinn von rund 8 Mio. Euro angekündigt. Genaue Zahlen liegen bisher nicht vor.

Mit der Schließung setzt Gothaer-Chef Werner Görg den Großumbau des Konzerns fort. Vor zwei Jahren hatte er Knall auf Fall den Kreditversicherer Gothaer Kredit geschlossen. In den letzten Monaten machte Görg Schlagzeilen mit der Ankündigung, die Hauptverwaltung der Gothaer Leben von Göttingen nach Köln zu verlagern – das betrifft rund 300 der 1200 Mitarbeiter in Göttingen.

Gleichzeitig reduziert der Gothaer-Chef die Zahl der Außenbüros der Gothaer Versicherung von acht auf fünf. Görg ist davon überzeugt, dass Versicherer heute nur durch Kostensenkung und vorsichtigen Kapitaleinsatz überleben können.

Bild(er):

Gothaer-Rück-Zentrale in Köln: Rund 100 Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen – Frank Darchinger

Quelle: Financial Times Deutschland


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