Industrieversicherer FM Global baut deutsches Geschäft aus

US-Unternehmen setzt auf Sicherheitsberatung und Technik · FTD-Interview mit Deutschland-Chef Achim Hillgraf

Von Herbert Fromme, Köln Der US-Industrieversicherer FM Global erwartet für 2004 Prämieneinnahmen von 133 Mio. Euro aus dem deutschen Markt. „Im Vorjahr waren es 80 Mio. Euro“, sagte Deutschland-Chef Achim Hillgraf. „In den letzten drei Jahren haben wir unsere Beitragseinnahmen jeweils fast verdoppelt.“ Zu den 133 Mio. Euro aus dem deutschen Markt müsse man noch 70 Mio. Euro Prämie aus Verträgen hinzurechnen, die FM-Kunden aus anderen Ländern für ihre deutschen Fabriken zahlten, sagte Hillgraf im FTD-Interview.

FM Global gehört zur Factory Mutual (FM) in den USA, einem Versicherungsverein für Industrie-Feuerrisiken. Weltweit erzielte FM Global 2003 4 Mrd. $ Prämieneinnahmen. In Deutschland wurde FM 1994 bekannt, als ein Vorläufer des Unternehmens einen großen Teil der Feuerdeckung des Siemens-Konzerns übernahm und damit den wohl geordneten deutschen Markt durcheinander wirbelte. In der Niedrigpreisphase ab 1995 hielten sich die Amerikaner allerdings stark zurück. „Es war damals sehr, sehr schwer, das Geschäft profitabel zu betreiben“, sagte Hillgraf. Mit knapp 20 Mio. Euro Prämie pro Jahr blieb das Unternehmen gerade noch präsent. „Seit 2002 sind wir wieder auf dem Weg nach oben.“ Kunden suchten Alternativen zu den großen deutschen Industrieversicherern wie Allianz, HDI und Gerling.

FM Global in Frankfurt hat 120 Angestellte und ist eine Niederlassung der britischen Tochter des Konzerns. FM hat jetzt 65 Kunden in Deutschland, alle in der Großindustrie. Das Unternehmen deckt ausschließlich Feuer- und Betriebsunterbrechung ab, keine Haftpflichtschäden. Das Geschäft ist momentan hoch profitabel. „2003 hatten wir eine kombinierte Schaden- und Kostenquote von 68 Prozent der Beiträge“, sagte Hillgraf. Im Jahr 2002 waren es noch 86 Prozent.

FM Globals Geschäftsmodell beruht auf der ausgefeilten Sicherheitsberatung durch die 60 eigenen Ingenieure. Für die Kunden sei es sehr viel wichtiger, einen Schaden von vornherein zu verhindern, als dafür finanzielle Entschädigung zu bekommen, sagte Hillgraf.

Außerdem lohne sich der hohe Sicherheitsaufwand direkt. Hillgraf nannte ein Beispiel: Ein Elektrotechnik-Hersteller investierte nach einer ausführlichen Risikoanalyse durch FM Global rund 1 Mio. Euro in Sicherheitsmaßnahmen. Für die Fabrik hatte ein FM-Wettbewerber 800 000 Euro Jahresprämie verlangt. Die potenzielle Prämienersparnis bei FM Global betrage jeweils 25 bis 30 Prozent in den nächsten 10 Jahren.

Quelle: Financial Times Deutschland


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