CSFB wirbt mit Millionen um Dresdner Banker

Investmentbank der Allianz droht massiver Aderlass

Von Claudia Wanner, Sven Clausen, Patrick Jenkins, Frankfurt, und Herbert Fromme, Köln Credit Suisse First Boston (CSFB) wirbt in einer bisher einmaligen Aktion mit Millionensummen um Investmentbanker der Konkurrenz. Ziel ist vor allem Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW), die Investmentbank der Allianz. Nach Informationen aus Finanzkreisen versucht die Credit-Suisse-Tochter, rund 20 Mitglieder der ersten und zweiten Führungsebene der Investmentbank abzuwerben.

CSFB würde die Spitze des Investmentbankings und des Aktienemissionsgeschäfts bei DrKW herauskaufen. Den Managern würde eine deutliche Aufstockung des Gehalts mit einer mindestens einjährigen Garantie winken. Die Rede war gestern von einem mehrstelligen Millionenbetrag.

DrKW droht Ohnmacht

Käme es zu dem Aderlass, wäre DrKW auf lange Zeit nahezu handlungsunfähig. Zuletzt hatte das Institut zahlreiche größere Transaktionen, etwa die Kapitalerhöhung der Lufthansa, begleitet. In den Ranglisten der Investmentbanken war es nach oben geklettert. Der Verlust zahlreicher Spitzenkräfte würde die guten Kontakte zu deutschen Topunternehmen zerstören. „Wenn es so käme, wäre es ein sehr schwerer Schlag“, hieß es aus der Bank.

Die Zukunft von DrKW innerhalb der Allianz ist unsicher. Konzernchef Michael Diekmann will bis 2005 darüber entscheiden. Sowohl ein Verkauf als auch ein Börsengang gelten als Option. Ohne Investmentbanking und Aktienemissionsgeschäft verlöre die DrKW allerdings massiv an Wert.

Kampf bis um Mitternacht

Als ersten prominenten Neuzugang hat CSFB bereits Martin Korbmacher gewonnen. Er war bei DrKW Vizechef für die wichtige Sparte Kapitalmärkte. Um die anderen Kandidaten kämpfte die DrKW-Spitze gestern Abend in Krisensitzungen. Die Manager hatten mit ihrer Entscheidung Zeit bis Mitternacht – und damit bis zum Quartalsende. Um die Abwanderungswilligen zum Bleiben zu überreden, waren der zuständige Allianz-Vorstand Paul Achleitner und DrKW-Chef Andrew Pisker nach Frankfurt gekommen. „Sie werden aber nicht mit dem Geldsack rumlaufen“, hieß es im Konzern. Sprecher von CSFB und DrKW nahmen nicht Stellung.

Viele Frankfurter Investmentbanker der DrKW fühlten sich bei den Bonuszahlungen für 2003 benachteiligt. Sie sollen deutlich hinter den Zahlungen für Londoner Mitarbeiter zurückgeblieben sein, obwohl die deutsche Einheit ordentlich zum Ergebnis beitrug.

CSFB war jüngst selbst von Abwerbungen getroffen worden. Die Bank verlor zahlreiche Experten an die britische Barclays. Die Investmentbank wolle ihre Deutschland-Präsenz ausbauen, hieß es. Auch Wettbewerber bei Goldman Sachs und Morgan Stanley sollen angesprochen worden sein.

Quelle: Financial Times Deutschland


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