Krach in der Spitze der Provinzial Kiel

Zwei Vorstände der fusionswilligen Gruppe gehen

Von Herbert Fromme, Köln Der Sparkassenversicherer Provinzial Kiel verliert zwei Vorstandsmitglieder. Die Verträge von Egon Stabenow und Heinrich Gaußling sollen nicht verlängert werden, heißt es in Versicherungskreisen. Die Verträge laufen erst Ende 2005 aus, stehen aber im Herbst 2004 zur Neuverhandlung an.

Gaußling ist Finanzchef, Stabenow für die Schaden- und Unfallsparte zuständig. Er ist im Markt sehr bekannt und leitet den einflussreichen Fachausschuss für Sachversicherung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Als Grund für den Managerwechsel gelten schwere Differenzen zwischen den beiden Vorständen und Unternehmenschef Roland Reime über die geplante Fusion mit der Provinzial Münster. Reime treibt den Zusammenschluss vehement voran. Ein Provinzial-Sprecher wollte den Weggang der Vorstände weder bestätigen noch dementieren. „An Gerüchten über Differenzen im Vorstand zur Fusionsfrage ist nichts dran“, sagte er weiter.

Der Regionalversicherer Provinzial Kiel ist in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern aktiv. Er ist gerade dabei, mit der Provinzial-Gruppe in Münster zu fusionieren, nachdem der Versuch eines Dreierbundes mit der Provinzial Düsseldorf gescheitert ist. Die neue Gruppe wird von einer Holding in Münster geleitet, bei der Reime stellvertretender Chef werden soll. Die Schaden- und Unfallversicherer bleiben regional eigenständig, gehören aber zu 100 Prozent der Holding. Die beiden Lebensversicherer fusionieren zu einem, der Sitz ist Kiel.

In der Provinzial Kiel gibt es die Meinung, Reime habe schlecht verhandelt und zu wenig für den Standort herausgeholt. Allerdings kann der Versicherer derzeit nicht auftrumpfen. Er ist 2002 knapp an einer schweren Krise vorbeigeschrammt. Das Unternehmen verlor wegen seiner riskanten Anlagestrategie mit Aktien 517 Mio. Euro. Die Sparkassen mussten mit 145Mio. Euro einspringen. Für die Deckung des restlichen Verlustes musste die Provinzial Kiel Rücklagen und künftige Gewinne einsetzen. Das schwächt sie auf mehrere Jahre.

Quelle: Financial Times Deutschland


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