Konzern beklagt Skepsis der Investoren

Von Herbert Fromme, Köln Der Allianz-Konzern hat die schwere Krise infolge des Börsencrashs und seiner hohen Aktienbestände überwunden, die ihn 2002 und 2003 in den Grundfesten erschüttert hatte. Der Versicherungskonzern, zu dem auch die Dresdner Bank gehört, hat im ersten Halbjahr 2004 eine deutliche Gewinnverbesserung erzielt. Die Gruppe verdiente 1,3 Mrd. Euro, 1,1 Mrd. Euro mehr als im ersten Halbjahr 2003. Die Allianz-Aktie legte gestern um 2,1 Prozent auf 76,03 Euro zu. Finanzchef Helmut Perlet warnte in einer Telefonkonferenz aber davor, die Zahlen der ersten sechs Monate auf das volle Jahr hochzurechnen: Die Gewinne aus dem Verkauf von Kapitalanlagen werden für den Rest des Jahres niedriger ausfallen als im ersten Halbjahr, so Perlet.

Konzernchef Michael Diekmann, der seit April 2003 an der Spitze der Finanzgruppe steht, betonte die Erfolge bei der Bewältigung der Altlasten. „Alles, was wir Ihnen in der Vergangenheit versprochen haben, haben wir auch geliefert.“ Die Problemfälle Fireman’s Fund in den USA und Allianz Global Risks, das internationale Industriegeschäft, seien gelöst, AGF in Frankreich und Dresdner Bank „befinden sich auf gutem Weg“.

Umso enttäuschender sei der Verlauf der Aktie in den letzten Monaten gewesen. „Leider hat die Börse unsere Fortschritte in diesem Jahr noch nicht honoriert“, beklagte Diekmann. Die Aktie verlief deutlich schlechter als der europäische Versicherungsindex DJ Euro Stoxx Insurance. „Offenbar hat der Markt noch Zweifel an der Dauerhaftigkeit der Verbesserungen“, sagte er. Einen Zusammenhang mit der Skepsis gegenüber dem Allfinanz-Modell aus dem Versicherer Allianz und der Dresdner Bank sieht er nicht. Kaum ein Investor zweifle an diesem Modell, sagte er.

Die Rating-Agentur Standard & Poor’s vermag er aber nicht zu überzeugen: Es gebe keinen Grund, die Bewertung „AA- mit negativem Ausblick“ zu ändern. Die Allianz sehe sich weiterhin Risiken bei der Umsetzung ihres Umbauprogramms gegenüber. Das gelte vor allem für die Frage, ob sie den vollen Wert ihres Allfinanzmodells realisieren könne. S&P werde daher genau beobachten, ob die Allianz den positiven Trend bei den Gewinnen auch beibehalte, erklärten die Analysten.

Diekmann setzte erneut ehrgeizige Ziele für den Konzern. Die Gruppe soll „schnellstmöglich“ eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent verdienen, zurzeit sind es rund sieben Prozent. Auch für die einzelnen Geschäftsfelder legte Diekmann die Latte sehr hoch.

Die Verbesserung im ersten Halbjahr beruht auf drei Trends: Die Allianz hat die Aktienkrise jetzt fast vollständig ausgeschwitzt. Im ersten Halbjahr 2003 musste der Konzern noch 6,64 Mrd. Euro an Aufwendungen für Kapitalanlagen verbuchen, das waren im Wesentlichen Abschreibungen auf Aktien, deren Wert gefallen war. Von Januar bis Juni 2004 betrugen diese Aufwendungen nur noch 1,54 Mrd. Euro.

Hinzu kommt der gute Geschäftsverlauf im Kerngebiet Schaden- und Unfallversicherung. Das weltweit vorherrschende hohe Preisniveau und die Anstrengungen der Allianz, verlustbringendes Geschäft zu meiden und Kosten zu senken, führten zu einer Verbesserung der Schaden- und Kostenquote um 2,7 Prozentpunkte. Statt 97 Cent pro Prämien-Euro für Schäden und Kosten ausgeben zu müssen, wie es noch 2003 der Fall war, kam die Allianz im ersten Halbjahr 2004 auf einen Wert von 94,3 Cent. 2002 hatte die Quote sogar noch bei 105,7 Prozent gelegen. Die Allianz ist Marktführer in der deutschen Autoversicherung, die im Moment generell äußerst profitabel ist.

Von großer Bedeutung für das Ergebnis war auch der Beitrag der Dresdner Bank, die seit der Übernahme durch die Allianz 2001 keinen Gewinn mehr gezeigt hatte. Im ersten Halbjahr 2004 lieferte sie 231 Mio. Euro ab. Das war zwar zum Teil Einmaleffekten geschuldet. Aber Finanzchef Helmut Perlet bestand darauf, dass der Grundtrend bei der Bank positiv sei. „Der Turnaround ist auf Kurs“, sagte Perlet.

Unzufrieden sind Diekmann und Perlet mit dem Verlauf der Lebens- und Krankenversicherung. „Die Beitragsentwicklung ist schwächer als erwartet“, sagte Perlet. Diekmann verlangte, dass die Lebensversicherer 2005 mindestens 1,5 Mrd. Euro zum operativen Ergebnis beitragen. Im ersten Halbjahr 2004 waren es nur 601 Mio. Euro.

Zitat:

„Alles, was wir versprochen haben, haben wir auch geliefert“ – Allianz-Chef Michael Diekmann

Bild(er):

Ausnahme-Unfall: In der Autoversicherung läuft es für den deutschen Marktführer inzwischen deutlich besser als noch vor Jahresfrist – Gordon Mühle

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv, RTF Import