Aachener und Münchener kontert Rentenreform mit Offensive

Versicherer steigert Neugeschäft um mehr als 50 Prozent

Von Herbert Fromme, Köln Die Versicherungsgruppe Aachener und Münchener (AM) will die Rentenreform zu einer Produkt-Offensive nutzen und so den Vorsprung zu kleineren Anbietern vergrößern. Die Reform schafft die Steuervorteile für die klassischen Kapitallebensversicherungen größtenteils ab. „Nur große Unternehmen können mit den erforderlichen neuen Produkten kostengünstig auf den Markt kommen“, sagte Vorstandschef Michael Westkamp. Die neue Gesetzeslage werde die Konsolidierung der Branche beschleunigen. Die Aachener und Münchener, die zur AMB Generali gehört, ist nach Allianz Leben und Hamburg-Mannheimer die Nummer drei im deutschen Markt.

Die Basis- oder Rürup-Rente sei für viele Kunden unattraktiv, weil sie nicht vererbbar und ohne Todesfallschutz sei. Andererseits biete sie hohe Steuervorteile. „Wir arbeiten an Kombinationsprodukten, die die Basisrente mit Risikoschutz bei Tod oder Berufsunfähigkeit verbinden“, sagte Westkamp. Auch dieser Teil der Prämie werde steuerlich gefördert.

Die AM will zudem die viel gescholtene Riester-Rente 2005 weiter forcieren. Mit 530 000 Verträgen sei die AM ohnehin einer der Marktführer bei Riester. Nur die Allianz hat mit 661 000 Verträgen mehr verkauft.

Wachstum sollen auch die betriebliche Altersversorgung und neue Produkte in der Lebens- und Rentenversicherung bringen. „Die Kapitallebensversicherung ist nicht tot“, sagte er. Der Trend gehe dabei zu Rentenversicherungen, die auch steuerlich weiter attraktiv seien.

Im ersten Halbjahr hat die AM nach laufendem Jahresbeitrag das Neugeschäft um 51,4 Prozent auf 270,4 Mio. Euro gesteigert, der Markt erreichte nach Westkamps Angaben nur 4,3 Prozent. Maßgeblich war die zweite Stufe der Riester-Rente: Der Beitrag zu den Policen verdoppelte sich Anfang 2004 von ein auf zwei Prozent des Bruttogehalts. „Ohne Riester hätte die AM ihr Neugeschäft um 15,5 Prozent gesteigert, die Branche verbuchte ein Minus von 6,9 Prozent“, sagte Westkamp. Der mit der AM verbundene Vertrieb Deutsche Vermögensberatung (DVAG) lieferte 80 Prozent des Neugeschäfts. In der Schaden- und Unfallversicherung gingen die Beitragseinnahmen um 4,3 Prozent auf 704,5 Mio. Euro zurück, etwa durch den Ausstieg aus dem Industriegeschäft.

Zitat:

„Die Kapital- Lebensver- sicherung ist nicht tot“ – AM-Chef Westkamp

Quelle: Financial Times Deutschland


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