Converium-Aktie verliert nach Gerüchten

Schlechtes Rating-Urteil von Standard & Poor’s befürchtet

Von Herbert Fromme, Köln Die Aktie des Rückversicherers Converium verlor gestern erneut deutlich. Das Papier endete mit 21,25 Franken – 5,4 Prozent unter dem Vortageskurs. Der Kursverfall wurde durch Gerüchte über eine mögliche Herabstufung des Unternehmens durch die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) ausgelöst.

Finanzkreise erwarten eine Stellungnahme von S&P noch in dieser Woche. Sollte die Agentur sich für eine weitere Senkung auf „BBB“ entscheiden, wäre Converium für viele seiner Kunden kein akzeptabler Geschäftspartner mehr. Versicherer kaufen Rückversicherungsschutz, weil sie sich auf die Finanzstärke ihres Partners im Ernstfall verlassen müssen. Vor zwei Jahren stoppte die Gerling Globale Rück ihr Rückversicherungsgeschäft fast komplett, als S&P das Rating auf „BBB“ senkte.

Allerdings ist die Situation von Converium trotz aller Probleme deutlich besser als die der Gerling Globale Rück im Jahr 2002. Analysten halten eine Absenkung auf „BBB“ durch S&P für unwahrscheinlich. „Damit würde die Rating-Agentur Converium buchstäblich in den Abgrund stoßen“, sagte ein Analyst. Das könne niemand wollen. Die Kapitalerhöhung sei dann in der geplanten Form nicht mehr durchzuführen, die Zukunft des gesamten Unternehmens gefährdet.

Möglicherweise drückt S&P sein Missfallen mit den Geschehnissen bei Converium anders aus. Die Agentur kann den Rückversicherer wie schon im Juli erneut auf Beobachtungsstatus stellen, oder die Beurteilung mit einem „negativen Ausblick“ versehen.

Seit dem 19. Juli hat die Converium-Aktie 65,8 Prozent verloren. Der Rückversicherer musste am 20. Juli bekannt geben, dass er US-Reserven für Altlasten um 385 Mio. $ aufstocken musste. Im zweiten Quartal fiel deshalb ein Verlust von 660 Mio. $ an. Am 31. August erklärte Converium, dass weitere Löcher von 50 Mio. bis 100 Mio. $ gefunden wurden. Eine Kapitalerhöhung von 420 Mio. $ sei nötig – im Juli war noch von 250 Mio. bis 400 Mio. $ die Rede.

Converiums angeschlagenes Ansehen bei Investoren wurde in der vergangenen Woche durch AM Best weiter belastet. Die für US-Versicherer wichtige Rating-Agentur senkte ihre Bewertung von „A-“ auf „B++“. Um so größer ist die Sorge bei Converium-Chef Dirk Lohmann, dass S&P folgen könnte. Im Juli hatte die Agentur Converium bereits von „A“ um eine Stufe auf „A-“ herab gestuft.

Quelle: Financial Times Deutschland


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