Converium wagt jetzt den Alleingang

Rückversicherer bleibt ohne Partner oder Mehrheitsaktionär · S&P spricht Mut zu · Heute Abstimmung über Kapitalerhöhung

Von Herbert Fromme, Hamburg Das Management und der Verwaltungsrat des angeschlagenen Schweizer Rückversicherers Converium haben sich für die Fortführung als unabhängiges, wenn auch kleineres Unternehmen entschieden. Das sei das Ergebnis der Analyse aller Möglichkeiten, teilte das Unternehmen gestern mit. Darunter waren der Verkauf des Rückversicherers, die Beteiligung eines strategischen Investors oder die Einstellung des Neugeschäfts und die Abwicklung. Nur die US-Töchter, aus denen sich Converium ohnehin zurückziehen wollte, sollen eventuell verkauft werden.

Voraussetzung für die Fortführung sei die Zustimmung der Aktionäre zu einer Kapitalerhöhung von 420 Mio. $, für die Konzernchef Dirk Lohmann gestern erneut warb. Darüber werden die Converium-Aktionäre auf einer Hauptversammlung heute abstimmen.

Kurz vor Veröffentlichung der Mitteilung erhielt Converium Rückenwind von der Rating-Agentur Standard & Poor’s. Sollte die Hauptversammlung für die Kapitalerhöhung stimmen, werde das Rating um eine Stufe von jetzt „BBB“ auf „BBB+“ verbessert, stellte S&P am Nachmittag in Aussicht.

Die Converium-Aktie legte gestern in Zürich um 2,9 Prozent zu, nachdem sie im Verlaufe des Jahres mehr als 70 Prozent verloren hatte.

Der Rückversicherer hatte im Juli ein Loch von 385 Mio. $ in seinen Reserven für US-Altlasten entdeckt, im August kamen weitere 50 Mio. bis 100 Mio. $ hinzu. Als Konsequenz hatte S&P die Bewertung des Rückversicherers von „A-“ um zwei Stufen gesenkt – auf ein Niveau, das für viele Kunden des Rückversicherers nicht tragbar ist. Vor allem in den USA und in Australien haben Erstversicherer von Sonderkündigungsklauseln Gebrauch gemacht. Danach können sie bei einem Rating unter „A-“ aus den Verträgen aussteigen.

Converium hatte in den letzten Wochen intensiv mit möglichen Interessenten für eine Beteiligung oder einen Kauf verhandelt. Noch am vergangenen Donnerstag forderte Lohmann die Aktionäre zur Zustimmung für die Kapitalerhöhung auf, weil nur so die Voraussetzungen für eine strategische Partnerschaft gegeben seien. „Wir diskutieren die Situation mit möglichen Partnern, und davon sind einige Gespräche in einem fortgeschrittenen Stadium“, sagte Lohmann vor fünf Tagen.

Jetzt ist von einem Partner nicht mehr die Rede. Ob dies aus der Not geboren wurde, also an der mangelnden Bereitschaft der potenziellen Investoren liegt, oder ob das Converium-Management seither neue Erkenntnisse gewonnen hat, wollte ein Unternehmenssprecher nicht kommentieren. „Wir legen den Grundstein für eine rentable und nachhaltige Zukunft als unabhängiges Unternehmen“, erklärte Lohmann.

Das US-Geschäft gibt die Gruppe weitgehend auf. Nur noch ausgewählte US-Kunden sollen direkt in Zürich bedient werden. Die US-Töchter werden abgewickelt, dafür aber möglicherweise an einen Spezialisten verkauft, der mit Abwicklungen Geld verdient.

Die so gebildete verkleinerte Gruppe werde etwa die Hälfte des bisherigen Umsatzes haben. Künftig will sich der Rückversicherer auf Europa, Asien und Lateinamerika konzentrieren und dabei vor allem um kleine und mittlere Kunden werben.

Zitat:

„Wir legen den Grundstein für eine rentable Zukunft“ – Converium-Chef Dirk Lohmann

Quelle: Financial Times Deutschland


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