Münchener Rück gibt Investoren Entwarnung bei Wirbelstürmen

Angepeilter Rekordgewinn für 2004 dürfte aber schwieriger zu erzielen sein · Marktführer setzt auf stabile Preise in der Katastrophendeckung

Von Herbert Fromme und Annika Pattberg, Köln Die Münchener Rück hat ihre Schadenschätzungen für „Charley“ und „Frances“ deutlich gesenkt. „Wir sind von den Wirbelstürmen weniger stark betroffen als zunächst angenommen“, sagte Vorstand Stefan Heyd gestern auf einer eigens einberufenen und im Internet übertragenen Pressekonferenz.

Trotz des hohen Schadens durch den Sturm „Ivan“ und der zusätzlichen Belastung durch die noch tobende „Jeanne“ bleibt der weltgrößte Rückversicherer deshalb bei der Einschätzung, dass die jüngste Serie ungewöhnlich häufiger und starker Stürme 500 Mio. Euro kostet.

Die Münchener Rück halte auch an ihrer Gewinnschätzung von 2 Mrd. Euro nach Steuern fest. Im Vorjahr hatte der Konzern einen Verlust von 434 Mio. Euro erlitten, jetzt steuert der neue Konzernchef Nikolaus von Bomhard in seinem ersten Jahr auf einen Rekordgewinn zu. „Er wird deutlich schwerer zu erreichen sein“, sagte Heyd mit Blick auf die Wirkung der Stürme. Anderseits sorgten die Schäden für neue Stabilität bei den Preisen für Katastrophen- und Energierisiken, die ins Rutschen gekommen waren. „Die Preise steigen, oder sie bleiben zumindest stabil.“

Die vorsichtigen Äußerungen des Konzerns spiegeln ein Grundproblem börsennotierter Versicherer wieder: Einerseits wollen sie Investoren nicht durch die Betonung der Schadenhöhe abschrecken und damit ihrem Aktienkurs schaden. Andererseits müssen sie ihren Kunden klare Signale geben, dass hohe Schäden eigentlich Preiserhöhungen nach sich ziehen müssen. Die Aktie reagierte gestern kaum und schloss fast unverändert bei 77,98 Euro

Nach Angaben der Münchener Rück kostet „Charley“ 75 Mio. Euro, „Frances“ 65 Mio. Euro. Für beide hatte die Münchener Rück noch vor wenigen Tagen mit jeweils dreistelligen Millionenschäden gerechnet. „Ivan“, der mit Abstand teuerste Hurrikan der Serie, schlägt mit 214 Mio. Euro zu Buche, unter anderem weil die Münchener Rück im Finanzzentrum Cayman Islands mit hohen Deckungen präsent ist. „Jeanne“ belastet den Konzern vermutlich mit 80 Mio. bis 100 Mio. Euro, der Pazifiktaifun „Songda“ mit weiteren 40 Mio.Euro.

Gegen fallende Preise sprechen auch Untersuchungen der Münchener Rück über die Häufigkeit von Wirbelstürmen über dem Atlantik. „Die Häufigkeit extremer Jahre nimmt zu“, sagte der Wissenschaftler Peter Höppe, der für die Münchener Rück tätig ist. Im Pazifik hingegen nimmt nur die Zahl der schwächeren Stürme zu; die Anzahl der starken Stürme bleibt konstant.

Quelle: Financial Times Deutschland


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