Rückversicherer lehnen Preissenkungen ab

Branchenführer erteilen Reduzierungen eine Absage · Converium und Stürme bestimmen Monte-Carlo-Treffen

Von Herbert Fromme, Köln Zu den von vielen Erstversicherern und Maklern für das kommende Jahr erwarteten spürbaren Preissenkungen für den Rückversicherungsschutz wird es voraussichtlich nicht kommen. Das ergaben die ersten Verhandlungen während des Rückversicherungstreffens in Monte Carlo. Zwar gebe es Druck in Richtung niedrigerer Preise in großen Sparten wie der Feuer-Rückversicherung. Aber gleichzeitig gingen die Raten für Managerhaftung und andere Haftpflichtbereiche weiter nach oben, hieß es am Wochenende übereinstimmend bei Teilnehmern.

Die Rückversicherer hatten in den Jahren 2002 bis 2004 starke Preiserhöhungen durchgesetzt. Als Begründung diente der Schaden aus den Attacken auf das World Trade Center. Viele Käufer von Rückversicherungsschutz – Erstversicherer und große Industriefirmen – hatten für 2005 deutliche Reduzierungen erwartet.

„Wir können nicht bestätigen, dass es niedrigere Preise gibt“, sagte Hans-Peter Gerhardt, Chef der Axa Re. Nikolaus von Bomhard, der seit neun Monaten den Marktführer Münchener Rück leitet, sah zwar die Forderung der Kunden nach fühlbaren Absenkungen. Er sagte aber, die Münchener Rück werde auch bei kleineren Preissenkungen noch sehr gut verdienen. Auf weitreichende Zugeständnisse werde sich die Gesellschaft nicht einlassen und statt dessen lieber Umsatz aufgeben, „wenn nötig, in Milliardenhöhe“.

Einen anderen Trend sieht dagegen Clement Booth, Europachef des Rückversicherungsmaklers Aon Re. „Wir haben Anbieter und Kunden befragt. Die große Mehrzahl erwartet ein Absinken der Preise“, sagte Booth.

Allerdings wurde diese Umfrage vor einigen Wochen durchgeführt – vor den Wirbelstürmen in der Karibik und den Problemen des Rückversicherers Converium. Die drei Wirbelstürme Charley, Frances und Ivan, die in Monte Carlo die Gespräche bestimmten, dürften dafür sorgen, dass der in den letzten Monaten sichtbare Preisabtrieb bei Katastrophendeckungen erst einmal gestoppt ist.

Auch wenn es den Rückversicherern gelingt, die Preise zumindest für 2005 weitgehend stabil zu halten, zeigten sie sich mit der Marktsituation nicht zufrieden. Die Schieflage der Converium, die zu einer Herabsenkung der Beurteilung durch die Rating-Agentur Standard & Poor’s um zwei Schritte von „A-“ auf „BBB“ führte, strahlt negativ auf die ganze Branche aus. „Vor zwei Jahren scheiterte die Gerling Globale Rück, im vergangenen Jahr war Scor in großen Schwierigkeiten, in diesem Jahr Converium“, sagte ein Manager. „Das ist überhaupt nicht gut für die Bewertung der Rückversicherungsbranche durch die Kapitalmärkte.“

Converium hat Probleme mit Altlasten aus den Jahren 1997 bis 2001, als der Rückversicherungsschutz zu billig angeboten wurde. Die damals aufgebauten Reserven reichen jetzt nicht mehr aus. Ähnliche Probleme haben auch andere Rückversicherer – selbst wenn die meisten ihre Reserven für diese Jahre schon deutlich aufgestockt haben. „Weitere Überraschungen sind aber nicht ausgeschlossen“, sagte Stephen Searby von Standard & Poor’s. Die Finanzstärke der Rückversicherungsbranche habe sich zwar stabilisiert, von einer deutlichen Erholung könne aber nicht die Rede sein, sagte er. Dafür sei die Unsicherheit zu groß, wie die Branche mit dem über kurz oder lang einsetzenden Preisverfall fertig werde.

Zitat:

„Wir können nicht bestätigen, dass es niedrigere Preise gibt“ – Hans-Peter Gerhardt, Axa Re

Bild(er):

Hurrikan Ivan hat dieses Strandhaus in Alabama am Freitag zerstört. Der Sturm richtete einen versicherten Schaden zwischen 2 und 8 Mrd. Dollar an – Reuters/Joe Skipper

Quelle: Financial Times Deutschland


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