Schiffsfonds sind derzeit besonders verführerisch

Hoffnung auf hohe Rendite lässt Anleger leichtsinnig werden

Von Katrin Berkenkopf Platzierung in Rekordzeit“, „Ausverkauft“, „Bestmarken bei eingeworbenem Kapital und Ausschüttungen“ – die deutschen Schiffsfinanzierer melden nur noch Superlative. Immer mehr Anleger investieren ihr Geld in Schiffsfonds, desillusioniert vom Aktienmarkt und in der Hoffnung auf hohe Nach-Steuer-Renditen. Die erfolgsverwöhnte Branche darf deshalb 2004 auf einen neuen Verkaufsrekord hoffen.

Deutsche Emissionshäuser finanzieren Containerschiffe oder Tanker mit so genannten Ein-Schiffs-Gesellschaften. Private Investoren zeichnen Anteile an den Fonds, die das Geld als Eigenkapital für Schiffe nutzen. Das Fondskapital macht 30 bis 40 Prozent des Gesamtpreises eines Schiffes aus. Der Rest kommt von – meist ebenfalls deutschen – Banken, besichert durch Schiffshypotheken.

Die so finanzierten Schiffe werden dann an internationale Linien-Reedereien verchartert, sprich vermietet. Die Charterraten liegen derzeit auf Rekordhöhe. Davon profitieren Anleger über die Ausschüttungen.

„Ich rechne damit, dass das Eigenkapital in diesem Jahr noch mehr wird“, sagt Jürgen Dobert, einer der bekanntesten Analysten der Branche. Im letzten Jahr sammelten die Unternehmen rund 2,3 Mrd. Euro an Eigenkapital für Schiffsprojekte ein.

Dank der 1999 eingeführten Tonnagesteuer können die Ein-Schiff-Reedereien ihre Gewinne fast steuerfrei verbuchen. Sie müssen nur eine extrem niedrige Pauschalsteuer zahlen, die sich nach der Größe des Schiffs richtet. Der tatsächliche Gewinn ist unerheblich.

Die meisten Schiffe sind auf mehrere Jahre im voraus verchartert. Damit, so argumentieren die Emissionshäuser, sind die Einnahmen des Fonds und die Ausschüttungen für die Anleger langfristig gesichert.

Manche Fonds kaufen zu teuer

Die Schifffahrtsmärkte sind aber extrem zyklisch. Wird der Welthandel plötzlich schwächer, gibt es Transportraum im Überfluss und die Preise dafür fallen ins Bodenlose. Dann könnten Charterer auch nicht mehr bereit sein, die in Boomzeiten vereinbarten hohen Raten weiter zu zahlen. Noch vor zwei Jahren konnten viele Fonds gerade die Bankschulden tilgen. Für Ausschüttungen war kein Geld da, weil die Märkte nach dem 11. September 2001 zusammengebrochen waren.

Außerdem werden manche Schiffe zu überhöhten Preisen an die Fonds verkauft, warnt Experte Dobert. Das gilt gerade für die Second-Hand-Tonnage. Viele Reeder finden es inzwischen wirtschaftlich attraktiv, ihre Schiffe an einen deutschen Fonds zu verkaufen und dann zurückzuchartern. Weil der Reeder auf diese Art seine Liquidität steigern will, sind sowohl Verkaufspreis als auch Charterrate höher als marktüblich. Das geht so lange gut, wie der Reeder zahlen kann. Fällt er als Charterer aus und versucht der Fonds, das Schiff woanders unterzubringen, fangen die Schwierigkeiten an.

Vielen Anlegern ist der Blick in das Emissionsprospekt zu mühsam. Dabei verbergen sich hier wichtige Informationen: Rechnet der Fonds mit weiter steigenden Charterraten, obwohl diese heute schon auf Rekordhöhe sind? Zu welchem Preis ist das Schiff gekauft worden? Wie wird das Währungsrisiko kalkuliert?

Dem Anlegerschutz-Verbesserungsgesetz zufolge müssen Emissionshäuser ihren Prospekt ab Mitte 2005 erst der Wertpapieraufsichtsbehörde BaFin vorlegen. Davon sollten sich kritische Anleger aber nicht zu viel versprechen, warnt Jürgen Dobert. Der Behörde bleibe wohl keine Zeit, den Prospekt gründlich durchzusehen oder gar die Rendite-Prognosen zu prüfen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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