In Secondhand-Lebensversicherungen steckt viel Potenzial

Risiken und Renditen von Fonds mit gebrauchten Policen hängen vom Herkunftsland und der Art der eingekauften Verträge ab

Von Anja Krüger Investmentgesellschaften haben eine neue Anlageform erfolgreich am Markt platziert: Sie bieten Fonds mit gebrauchten Lebensversicherungen an.

Geraten Kunden in Not bleibt häufig nichts anderes übrig, als ihre Kapitallebensversicherung zu kündigen. Das ist mit hohen Verlusten verbunden. Spezielle Händler zahlen mehr, als der Versicherer geben würde, aber nicht den tatsächlichen Wert des Vertrags. Investmentgesellschaften kaufen die Verträge von ihnen, finanzieren es über Fonds und verkaufen Fondsanteile an Anleger.

Nach diesem Muster funktionieren nicht nur Fonds mit Kapitallebensversicherungen, bei denen der Auszahlungszeitpunkt feststeht, sondern auch Fonds mit Risikolebens-Policen. Hier spekuliert der Anleger auf den Tod des Versicherten. Je weiter der Auszahlungszeitpunkt in der Zukunft liegt – je später der Versicherte stirbt – desto länger muss der Fonds Beiträge zahlen. Damit schmilzt die Rendite, schlimmstenfalls fressen die Prämien die Einlagen der Anleger.

In Deutschland legen Investmentgesellschaften Fonds mit gebrauchten Lebensversicherungen seit 2002 auf. Die Anbieter verfolgen unterschiedliche Strategien. Viele investieren in US-amerikanische Risikolebensversicherungen, andere nur in deutsche oder britische Kapitallebensversicherungen.

Allein die acht Fondsinitiatoren, die sich zum Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen zusammengeschlossen haben, managen nach eigenen Angaben für 40 000 Investoren mehr als 1 Mrd. $ in US-amerikanische Lebensversicherungen. Sie versprechen Renditen bis zu 13 Prozent. Noch ist nicht geklärt, ob die Erträge steuerfrei sind.

Für Erträge aus Fonds mit deutschen Kapitallebensversicherungen müssen Anleger Steuern zahlen. Der Fondsinitiator kann genau prognostizieren, wie viel ein Vertrag nach Ablauf mindestens abwirft. Denn die deutschen Versicherer gewähren auf den Sparanteil der Prämien eine Mindestverzinsung, die je nach dem Abschlussdatum des Vertrags zwischen 2,75 und 4 Prozent liegt. Hinzu kommt eine Gewinnbeteiligung, die von der Höhe der erzielten Kapitalerträge abhängt. Stirbt der Versicherte vor Ablauf des Vertrags, erhalten die Hinterbliebenen einen Teil der Versicherungssumme.

„Die Fonds laufen sehr, sehr erfolgreich“, sagte Jens Langmann, Geschäftsführer von MPC Life plus. Sein Haus hat fünf Fonds mit insgesamt 4000 deutschen Policen aufgelegt. Im Sommer 2004 folgte der sechste mit geplanten weiteren 4000 Verträgen, für den MPC 126 Mio. Euro einsammeln will. Der Anbieter verspricht Renditen von sechs bis acht Prozent.

Die Investmentgesellschaft König und Cie. hat einen Fonds initiiert, der 3000 britische Kapitallebensversicherungs-Policen kaufen soll. „Wir wollen dafür 35 Mio. Euro einwerben“, berichtete Dominicus von Nerée, Leiter der Abteilung Spezialfonds bei König und Cie.

Der Fonds nutzt das deutsch-britische Abkommen zur Vermeidung von Doppelbesteuerung. Für Kapitalerträge bis 4745 £ müssen deutsche Anleger keine Steuern zahlen. Deshalb sinkt die Rendite mit zunehmender Höhe der Anlage. Wer zum Beispiel 14 000 Euro investiert, kann bei planmäßiger Entwicklung nach Nerées Angaben mit einer Rendite von 8,7 Prozent rechnen, bei einer Anlage von 50 000 Euro sind es immerhin noch 7,5 Prozent.

Anders als deutsche gewähren britische Lebensversicherer keine garantierte Mindestverzinsung. „Es gibt aber durchaus Garantien, etwa auf die eingezahlte Summe, und festgeschriebene Boni“, erklärte von Nerée. Englische Versicherer können mehr Kapital in Aktien anlegen als deutsche. „Das erhöht die Renditechancen“, sagte er. Allerdings sind auch die Sicherheiten geringer. „Jedem Anleger muss klar sein, dass es sich um eine unternehmerische Beteiligung handelt, die immer mit Risiken verbunden ist.“

Zitat:

„Die Fonds sind eine unternehmerische Beteiligung“ – Dominicus von Nerée, König und Cie.

Quelle: Financial Times Deutschland


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