Lebensversicherer müssen flexibler werden

Anbieter berücksichtigen künftig die unterschiedlichen Lebensphasen und die schwankenden Einkommensverhältnisse der Kunden

Von Anja Krüger Lebensversicherer bereiten sich auf eine neue Generation von Produkten vor. Denn im kommenden Jahr wird nicht nur das Steuerprivileg für die Kapitallebensversicherung weitgehend abgeschafft. Mit dem Alterseinkünftegesetz fällt auch die Verpflichtung der Kunden zu gleich hohen Zahlungen über einen festgelegten Zeitraum. Die Versicherer werden künftig flexiblere Produkte auf den Markt bringen, die schwankende Beitragszahlungen des Kunden ermöglichen, erwartet der Chef der Gerling-Lebensversicherung Norbert Heinen. „Der Markt wird im nächsten Jahr durch eine kollektive Lernphase gehen.“

Künftige Produkte müssen die geänderten Lebensverhältnisse und die schwankenden Einkommenslagen der Kunden berücksichtigen, erklärt Heinen. „Es wird mehr bausteinartige Versorgungsformen geben.“ Neue Verträge müssten die unterschiedlichen Lebensphasen der Verbraucher berücksichtigen, in denen Kunden mehr oder weniger Geld für die Altersvorsorge aufbringen wollen und können. Junge Leute seien durchaus bereit, Teile in eine spätere Rente zu investieren. Das ändere sich aber häufig nach der Familiengründung. „Hier liegt die Innovationsspielwiese“, sagt Heinen. Er geht davon aus, dass die Unternehmen zunächst mit den vorhandenen Mustern auf die geänderten Bedingungen reagieren. In einigen Jahren aber werden völlig neue Produkte auf den Markt kommen.

Veränderungen kommen auf die Lebensversicherer auch mit dem weitgehenden Wegfall des Steuerprivilegs für Kapitallebensversicherungen zu. Auszahlungen aus Kapitallebensversicherungen sind ab 2005 für neu abgeschlossene Verträge nicht mehr komplett steuerfrei. Damit verlieren die Vertriebe ihr bestes Verkaufsargument. „Wir gehen von einer Halbierung des klassischen Lebensversicherungsgeschäfts mit Kapitaltarifen aus“, sagt Heinen. In seinem Haus entfallen nur noch 24 Prozent der Neubeiträge auf klassische Lebensversicherungen. Im Branchenschnitt liegt der Anteil der Neubeiträge in diesem Bereich bei 30 bis 35 Prozent, schätzt Heinen.

Ende 2003 hatte die Branche 91,5 Millionen Lebensversicherungen im Bestand, davon waren 63,1 Prozent Kapitallebens-, 20,5 Prozent Risikolebens- und 16,4 Prozent Rentenversicherungen. Für die Vertreter ist der Wegfall des Steuerprivilegs bitter. Viele leben vor allem vom Verkauf der Kapitallebensversicherung, für den sie sehr hohe Provisionen erhalten. Heinen sieht hier aber kein Problem. „Für den Abschluss einer Rentenversicherung bekommt der Vermittler die gleiche Provision wie für eine Kapitalversicherung“, sagt er. „Es wird eine Verschiebung von der Kapitallebens- zur Rentenversicherung geben.“

Heinen ist davon überzeugt, dass die Nachfrage im Altersvorsorgemarkt aufgrund der Kürzung der gesetzlichen Renten und der Einführung der Rentenbesteuerung steigen wird. Auf diesem Markt ist die Assekuranz nach seiner Ansicht sehr gut aufgestellt. „Wir haben die bessere Vertriebsstruktur als Banken.“ Außerdem hätten Versicherer mehr Know-how für Renten-Produkte. Banken und andere Investmentanbieter konzentrierten sich eher auf einmalige Einzahlungen als auf Sparverträge, sagt Heinen.

Zitat:

„Der Markt geht durch eine Lernphase“ – Norbert Heinen, Chef Gerling Leben

Quelle: Financial Times Deutschland


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