AIG verliert Großkunden in Managerhaftung

Allianz gewinnt D&O-Geschäft von Siemens

Von Herbert Fromme, Köln Der US-Versicherer American International Group (AIG) hat nach Informationen aus Versicherungskreisen einen wichtigen Kunden in der Managerhaftung verloren. Seit dem 1. Oktober 2004 stellt die Allianz für den Siemens-Konzern die Grunddeckung in der Directors‘ & Officers‘ Liability (D&O).

Auch beim Chiphersteller Infineon ist AIG aus dem Geschäft: Dort geht der Vertrag zur deutschen Niederlassung des Bermuda-Versicherers Ace. Die AIG habe in den Verhandlungen mit Siemens und Infineon sehr drastische Forderungen nach Ausschlüssen ganzer Risikogruppen gestellt, beim Preis aber keine Flexibilität gezeigt, hieß es in den Kreisen.

AIG war einer der ersten Anbieter von D&O-Policen auf dem deutschen Markt und gilt immer noch als einer der Marktführer, auch wenn keine genauen Zahlen vorliegen. Das Prämienvolumen dürfte beim Siemens-Vertrag 10 Mio. Euro überschreiten.

Insgesamt schätzen Experten die Prämieneinnahmen im deutschen D&O-Markt auf rund 300 Mio. Euro. In dieser Sparte mussten die Versicherer eine Reihe von Großschäden hinnehmen: Dazu gehört der Anspruch von 250 Mio. Euro, den die Lufthansa gegen zwei Konsortien von Versicherern erhebt, weil Manager sich beim Abschluss von Verträgen der Catering-Tochter Skychefs verrechnet hatten. DaimlerChrysler forderte 220 Mio. $ ein, weil der Konzern Aktionären in einem Vergleich 300 Mio. $ gezahlt hatte. Deshalb versuchen die Versicherer, bestimmte Risiken auszuschließen und die Preise anzuheben. Offenbar hat AIG die Schraube dabei überdreht.

Quelle: Financial Times Deutschland


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