Axa verhandelt über Kauf von Winterthur

Französischer Versicherer will Stellung in Europa ausbauen

Von Herbert Fromme, Köln Der französische Versicherungskonzern Axa hat nach Informationen aus Versicherungskreisen offizielle Gespräche mit der Schweizer Großbank Credit Suisse (CS) über den Kauf von deren Versicherungstochter Winterthur gestartet. Nach informellen Kontakten haben beide Seiten Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnet. Zur Gruppe gehört die Wiesbadener DBV Winterthur.

Credit Suisse will sich auf einer Anlegerveranstaltung am 7. Dezember zur Zukunft der ungeliebten Tochter äußern. Diese beeinträchtigt regelmäßig das Urteil von Analysten und Rating-Agenturen über die Bank. Falls der Verkauf scheitert, erwägt die CS einen Börsengang oder die Abspaltung.

Mit der Winterthur, die im Jahr 22,5 Mrd. Euro Prämien einnimmt, kommt erstmals seit langem in Europa ein großer Versicherer auf den Markt. Allerdings ist die Nachfrage verhalten. Die deutschen Marktführer Allianz und Münchener Rück/Ergo halten derzeit wenig von Großübernahmen. Die niederländische ING hat abgewinkt. Die Talanx-Gruppe in Hannover sucht einen Schadenversicherer und nicht einen Konzern, der in der Lebens- und Krankenversicherung stark ist.

Interesse bekundet hat die italienische Generali, die aber nur einzelne Ländergesellschaften erwerben will. CS besteht jedoch bisher auf dem Verkauf der gesamten Versicherungsgruppe. Daran stört potenzielle Käufer vor allem die Schweizer Lebensversicherung, die wegen staatlich festgelegter Garantiezinsen in der betrieblichen Altersversorgung ertragsschwach und riskant ist.

Auch der Axa wäre die Übernahme einzelner Teile lieber, so die Kreise. Daran will Konzernchef Henri de Castries die Gespräche aber nicht scheitern lassen. Er sucht für die Axa nach langem Sparkurs kräftiges Wachstum, auch durch Übernahmen.

Doch gibt es auch bei der DBV Winterthur einen Pferdefuß: Ein neuer Eigner muss mit dem großen Einfluss der DBV Öffentlichrechtliche Anstalt fertig werden, die eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie hält.

Quelle: Financial Times Deutschland


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