Makler Jardine Lloyd Thompson feuert Chef

Gewinneinbruch lässt Aktie um 20 Prozent abstürzen

Von Herbert Fromme, London Der an der Londoner Börse notierte Versicherungsmakler Jardine Lloyd Thompson (JLT) hat sich am Freitag von seinem Chef Steve McGill getrennt. Nach nur knapp drei Jahren an der Spitze von JLT verlässt McGill den größten britischen Versicherungsmakler. Vorausgegangen war eine Gewinnwarnung des Unternehmens, das jetzt für 2004 nur noch 92 Mio. £ Gewinn nach Steuern erwartet. Im Vorjahr waren es 111 Mio. £. Die Aktie verlor am Freitag 20 Prozent auf 336 Pence.

McGill wird von Ken Carter ersetzt, der auch sein Vorgänger im Amt des Chief Executive war. Gleichzeitig bleibt Carter Vorsitzender (Chairman) des Board, vergleichbar der Rolle eines Aufsichtsratsvorsitzenden. Er will binnen zwei Jahren einen Nachfolger für die Führung des operativen Geschäft finden.

JLT erklärte, die Bedingungen im Versicherungs- und Rückversicherungsmarkt hätten sich sehr viel schneller verschlechtert als angenommen. So seien die Preise „deutlicher gefallen als Anfang des Jahres erwartet“. Dazu kämen geringere Einnahmen aus der Vermittlung von Rückversicherungsgeschäft und der schwache Dollar. JLT erzielt rund die Hälfte des Umsatzes in US-Dollar, während die Kosten vor allem in Pfund Sterling anfallen.

Das Unternehmen erklärte weiter, der Rücktritt habe nichts mit den Ermittlungen des New Yorker Generalstaatsanwalts Eliot Spitzer gegen den Weltmarktführer Marsh wegen Angebotsbetrugs und anderer Vorwürfe zu tun. JLT sei nicht betroffen.

Allerdings verstärkt die Gewinnwarnung des britischen Marktführers den Druck auf den Sektor erheblich, der wegen der Spitzer-Ermittlungen schon große Probleme hat. Offenbar kann JLT seine öffentlich geäußerte Absicht, von den Problemen bei Marsh zu profitieren, nicht umsetzen.

Den großen Versicherern und Rückversicherern dürfte die Stellungnahme des Maklers zur Preisentwicklung nicht gefallen. Münchener Rück, Swiss Re, Allianz und andere halten daran fest, dass die Preise noch weitgehend stabil bleiben, vor allem nach den großen Wirbelstürmen in den USA und in Japan.

Quelle: Financial Times Deutschland


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