(Ent-)Täuschende Renditen bei Schiffsfonds

Emissionshäuser werben mit hohen steuerfreien Ausschüttungen – und führen die Anleger damit aufs Glatteis

Von Katrin Berkenkopf Die Vermarktung von Schiffsfonds setzt auf markige Worte: „Nahezu steuerfreie Ausschüttungen von jährlich 9 bis 25 Prozent“, heißt es da großspurig. Und da ist es kein Wunder, dass Anleger den Emissionshäusern die Türen einrennen und die Branche erneut auf einen Rekord zusteuert.

Vielen Investoren ist jedoch nicht bewusst, dass die prognostizierten Ausschüttungen nicht mit Gewinn gleichzusetzen sind. In die Ausschüttung fließt nämlich auch die Rückzahlung des ursprünglichen Investments mit ein. Schiffsfinanzierungs-Experte Jürgen Dobert ist deshalb empört: „Hier mutiert die Rückzahlung der Kapitaleinlage zur Ausschüttung und suggeriert so 100 Prozent zusätzlichen Ertrag.“ Dobert ärgert sich zudem über die versprochene Steuerfreiheit bei den Ausschüttungen. „Wer sein Schiff in Deutschland bereedern lässt, kann zwar von der so genannten Tonnagesteuer profitieren, der Gewinn aus dem Schiffsbetrieb bleibt damit fast steuerfrei. Der Rückzahlungsanteil des Investments ist aber in jedem Fall steuerfrei, und das ist ja keine Besonderheit.“

Die Fondshäuser argumentieren, dass die Anleger selbst bei ausdrücklichem Hinweis auf den Unterschied zwischen Ausschüttung und Gewinn weiter an Schiffsfonds festhalten würden. „Wenn es tatsächlich so ist, dann könnte man es ja gleich ordentlich darstellen“, fordert der Fondsexperte Stefan Loipfinger. „Aber ich denke, dass bei einer ausgewiesenen Rendite von vier bis fünf Prozent kaum jemand in Schiffsfonds investieren würde“, sagt Loipfinger. So aber werden den Emissionshäusern die Anteilsscheine förmlich aus der Hand gerissen. Dobert erwartet für 2004 rund 2,5 Mrd. bis 3 Mrd. Euro, die in Schiffsfonds geflossen sind – ein neuer Rekord. Schiffsfonds sind in Deutschland hinter Immobilienfonds die beliebteste Anlageklasse bei geschlossenen Fonds.

Deutschland ist der weltweit führende Markt für Schiffsfinanzierungen. Über Schiffsfonds sammeln Emissionshäuser das Eigenkapital für Frachter von privaten Investoren ein. Banken übernehmen den Rest der Finanzierung, meist in Form von Schiffshypotheken. Bei Schiffsfonds erhält der Anleger bereits während der Laufzeit einen großen Teil seines eingezahlten Kapitals zurück. Das verbuchen fast alle Emissionshäuser unter dem Stichwort „Ausschüttungen“. Was sich wirklich dahinter verbirgt, erklären sie meist weiter hinten im Hauptprospekt. „Es ist davon auszugehen, dass die in der Werbung in Aussicht gestellten Ausschüttungen für einen Großteil der Anleger das anlageentscheidende Kriterium sind“, meint Dobert. Die Enttäuschung sei damit bei vielen Anlegern programmiert.

Die Emissionshäuser sehen das natürlich anders. Der Begriff „Ausschüttungen“ werde schließlich seit Jahren so gehandhabt, sagt Holger Glandien, Generalbevollmächtigter von MPC Capital. „Dennoch werden wir den Begriff ab sofort in unseren Hauptprospekten genauer erklären“, verspricht Glandien.

Im Sommer erließ das Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen MPC Capital wegen des missverständlichen Gebrauchs des Wortes „Rendite“. Bei dem Unternehmen sah man das damals allerdings gelassen, denn der betroffene Fonds war ohnehin schon voll investiert. Doch Glandien gibt zu: „Mit dem langsamen, aber stetigen Wandel der Fonds vom Steuer-Sparmodell zur Rendite orientierten Anlage interessieren sich immer mehr Menschen für Schiffs-Investments, denen das Wissen über die Feinheiten des Geschäfts noch fehlt.“

Bild(er):

Ein Containerschiff steuert den Hamburger Hafen an: Deutsche Privatinvestoren finanzieren über Fonds den weltweiten Boom bei Containerfrachtern – Visum

Quelle: Financial Times Deutschland


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