Gothaer plant Kooperationen und Übernahmen von Beständen

Versicherungsgruppe erreicht 2004 Gewinnsprung

Von Ilse Schlingensiepen, Köln Die Gothaer Versicherungsgruppe will nach dem Sparkurs der vergangenen Jahre 2005 wieder verstärkt ihr Wachstum vorantreiben. Helfen sollen dabei neben eigenen Produkten Kooperationen mit Versicherern oder die Übernahme von Beständen. „Wir sind der ideale Partner für strategische Kooperationen“, sagte gestern Konzernchef Werner Görg.

Angesichts der künftigen verschärften Eigenkapitalregeln unter Solvency II werden einige Versicherer einen Teil ihrer Aktivitäten einstellen, sie ihren Kunden aber weiter anbieten wollen, sagte Görg. Hier könne die Gothaer als Risikoträger einspringen – oder die Bereiche ganz kaufen. Er verhandle bereits mit zwei Unternehmen, sagte er, nannte aber keine Einzelheiten.

Die neue Wachstumsstrategie folgt auf Jahre wackeliger Gewinnentwicklung: Der Konzern hatte 2002 vor allem in Folge hoher Abschreibungen auf Aktien einen Verlust von 198 Mio. Euro erlitten. Zu schaffen machten der Gothaer auch schlechte versicherungstechnische Ergebnisse und hohe Kostenquoten. Görg verordnete dem Konzern ein straffes Kostensenkungs- und Umbauprogramm. Die Kölner Gruppe wird von einem Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit geführt.

Im laufenden Jahr hat der Sparkurs angeschlagen: „Sämtliche Kennziffern weisen in die richtige Richtung“, sagte Görg. Nach vorläufigen Zahlen erzielt der Konzern einen Gewinn nach Steuern von 75 Mio. Euro, nach 46 Mio. Euro im Jahr 2003. Die Eigenkapitalrendite stieg von 5,9 Prozent auf 8,6 Prozent. Die Beitragseinnahmen der Gruppe stagnierten allerdings bei 4,1 Mrd. Euro. Leicht zugelegt hat lediglich die Gothaer Allgemeine. Der Personalbestand des Konzerns sank in diesem Jahr um 300 auf 6300 – im Jahr 2001 waren es noch 7100.

Die Gothaer konzentriere sich vor allem auf den gehobenen Mittelstand als Zielgruppe, sagte Görg. Bewährt habe sich die Zwei-Marken-Strategie: die Gothaer für den traditionellen Vertrieb mit Beratung und Asstel als Direktversicherer. „Wir erzielen damit größtmögliche Synergien“, sagte Görg. Der Konzern strebe für 2006 ein „A“-Rating an, sagte Finanzchef Jürgen Meisch. Bislang ist die Gruppe noch nicht geratet worden. Wer die Bewertung vornehmen soll, steht noch nicht fest.

Zitat:

„Sämtliche Kennziffern weisen in die richtige Richtung“ – Gothaer-Chef Görg

Quelle: Financial Times Deutschland


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