Rückversicherer zählen Schäden

Kursverluste für Münchener Rück und Swiss Re · Hannover Re sieht niedrige Last

Von Herbert Fromme, Köln Die beiden größten Rückversicherer der Welt, Münchener Rück und Swiss Re, wollen erst in den nächsten Tagen erste Schätzungen über die Auswirkungen der Flutwelle in Südasien vorlegen. Gestern gab es noch keine Zahlen. Nur die Hannover Rück, Nummer vier der Rückversicherer weltweit, wagte eine vorsichtige Prognose. Die Belastung werde im unteren zweistelligen Millionenbereich liegen, sagte eine Sprecherin.

Anders bei den Marktführern. Die Münchener Rück wollte keine Schätzung abgeben und auch nicht über die Auswirkungen auf den Jahresgewinn spekulieren. Dasselbe erklärte die Swiss Re. „Wir können noch nicht viel sagen“, sage Serge Troeber der FTD. Er ist stellvertretender Leiter der Abteilung für Naturgefahren bei dem Unternehmen. „Wir haben erst sehr punktuelle Informationen.“ Während die Branche bei Hurrikans ausgefeilte Modelle entwickelt hat, nach denen sie anhand der Zugbahn die wahrscheinlichen Schadensummen schätzen kann, gibt es das für Tsunamis nicht. Dafür sind diese Schadenereignisse zu selten.

Münchener Rück und Swiss Re sind beide der Ansicht, dass der Tsunami-Schaden für die gesamte Versicherungswirtschaft wahrscheinlich deutlich unter der Belastung durch die Wirbelstürme liegen wird, die im August und September in der Karibik und den USA tobten. Diese kosteten die Versicherer geschätzte 27 Mrd. $. In Südasien sind deutlich weniger Gebäude versichert, außerdem sind die Versicherungssummen niedriger. Dazu kommt, dass die Riesenwellen nur die Uferregion zerstören, während die Hurrikans große Landflächen verwüsten.

Die internationalen Rückversicherer decken Erstversicherer in den betroffenen Ländern gegen Katastrophenschäden ab. In einem ersten Schritt müssen die Erstversicherer – die ihrerseits mit den Endkunden Verträge haben – ihre Belastung schätzen, auf Grund dieser Meldungen können die Rückversicherer Angaben machen. Die Münchener Rück hat für morgen die Veröffentlichung ihrer alljährlichen Katastrophenbilanz angekündigt. Darin könnte auch eine erste Schätzung des Tsunami-Schadens enthalten sein.

Nach Angaben von Swiss-Re-Manager Troeber müssen die Rückversicherer neben Belastungen aus den betroffenen Ländern selbst auch mit Schadenmeldungen der großen Hotelketten rechnen, die Anlagen in Südasien haben. „Die haben ihren Sitz meistens in den USA oder Europa, wir erwarten auch daher hohe Schadenmeldungen aus unseren Geschäftsbeziehungen in diesen Ländern „, sagte er.

Die Börse reagierte auf den Mangel an Informationen mit Abschlägen für Swiss Re und Münchener Rück. Die Papiere des Schweizer Konzerns verloren 1,8 Prozent und endeten bei 81,15 Franken. Münchener-Rück-Aktien gingen mit 90,0 Euro aus dem Handel, ein Rückgang um 1,6 Prozent.Die Hannover Rück blieb dagegen mit 28,83 Euro, einem Minus von 0,1 Prozent, praktisch unverändert.

Quelle: Financial Times Deutschland


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