Sparkassen blocken Neue Leben ab

Verband übt Druck wegen neuem Mehrheitseigner Talanx aus

Von Herbert Fromme, Köln Die Sparkassen verstärken den Druck auf den seit kurzem zum Talanx-Konzern gehörenden Versicherer Neue Leben. Gestern beschloss der Vorstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) bei einer Sitzung in Berlin, dass die Neue Leben Holding und die operativen Versicherer Neue Leben und Neue Leben Unfallversicherung nicht mehr Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe sind. Der DSGV-Vorstand folgt damit einer Empfehlung der Sparkassen-Verbandsvorsteher vom September.

Die Hannoveraner Talanx hatte im August 60 Prozent an der Neuen Leben von den damaligen Mehrheitseignern, den Sparkassen in Hamburg und Bremen, übernommen. Die beiden besitzen zusammen weiter 25 Prozent, weitere fünf Kassen sind mit kleineren Anteilen beteiligt. Die Sparkassen versuchen mit ihrem Beschluss, das Eindringen eines privaten Versicherers in ihre Finanzgruppe abzublocken.

Die Neue Leben hat keinen anderen Vertriebsweg als die Sparkassen. Mit dem Beschluss verliert das Unternehmen eine wichtige Voraussetzung für den Verkauf über deren Schalter. Allerdings gibt es keine Pflicht für Kassen, sich an eine solche Aufforderung ihres Verbandes zu halten. Viele Institute vertreiben schon heute neben den Policen ihrer eigenen Versicherer in Ausnahmefällen Verträge anderer Gesellschaften.

Die Talanx gab sich gestern gelassen. „Der Beschluss stört uns nicht“, sagte ein Sprecher. Es entspreche den Tatsachen, dass die Neue Leben jetzt Teil der Talanx sei und nicht mehr der Sparkassen-Gruppe. Ziel der Übernahme sei es gewesen, Vertriebsvereinbarungen mit den Sparkassen zu schließen, die weiterhin Anteilseigner der Neuen Leben seien. „Das Ziel wurde erreicht.“

In DSGV-Kreisen hieß es dagegen, dass die Zahl der Sparkassen mit Anteilen an der Neuen Leben bald drastisch schrumpfen könne. „Vier der fünf Kassen, die kleinere Anteile haben, wollen verkaufen“, sagte ein Sparkassenmanager. Die Talanx erklärte, ihr sei davon nichts bekannt.

Nicht betroffen von dem Beschluss ist die Neue Leben Pensionskasse. An ihr hält die Hamburger Sparkasse 26 Prozent, sieben weitere Sparkassen 25 Prozent, Talanx den Rest. Es gebe Versuche, Talanx zur Aufgabe ihres Anteils zu bewegen, hieß es. Dann könne die Pensionskasse mit der S-Pensionskasse der Sparkassen zusammengeführt werden.

Sparkassen haben Versicherer, die nur in ihren Regionen arbeiten. Die Neue Leben hielt sich nie an die regionale Beschränkung, sondern diente sich Kassen bundesweit mit mäßigem Erfolg als Zweitmarke an. Diese Strategie wollte Talanx fortsetzen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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