Talanx nennt Optionen für Börsengang

Aktionäre sollen Großeinkauf mitfinanzieren · Gewinnsprung für 2005 angekündigt

Von Herbert Fromme, Hannover Eine Großakquisition könnte den geplanten Börsengang des Versicherungskonzerns Talanx beschleunigen. „Der Zeitpunkt des Börsengangs hängt davon ab, wo wir uns auf der Einkaufsseite betätigen“, sagte Vorstandschef Wolf-Dieter Baumgartl Dienstagabend.

Als Richtschnur gilt dabei die vorhandene Liquidität von 1,5 Mrd. Euro. Sollte die Akquisition teuer werden, will Baumgartl sofort an die Börse. Andernfalls hänge das Datum davon ab, wie groß der Aufwand für die Integration der übernommenen Gesellschaft sein wird. „Wenn es einen hohen Integrationsbedarf gibt, nehmen wir darauf Rücksicht“, sagte Baumgartl. Dann müsse man den Kapitalmärkten erst beweisen, dass diese Übernahme funktioniert. „Wenn wir in so einem Fall zwei Drittel der Integrationsstrecke hinter uns gebracht haben, kommt der Börsengang“, sagte er.

Baumgartl weigerte sich, Einzelheiten zur Einkaufstour des Konzerns zu nennen. Der Konzern habe Liquidität und wolle zukaufen. „Mehr haben wir dazu nicht zu sagen.“ Talanx hatte Ende 2003 angekündigt, dass Zukäufe vor allem im Bereich Schaden- und Unfallversicherung in Europa geplant seien. Inzwischen hat Talanx den Lebensversicherer Neue Leben und die polnische Tochter der Tryg Vesta übernommen. Das seien Abrundungszukäufe, sagte Baumgartl und stellte größere Übernahmen in Aussicht.

In den letzten Monaten hat das Unternehmen nach Informationen aus Versicherungskreisen die Anfang 2003 abgebrochenen Gespräche mit den Eignern der Gerling-Gruppe über einen Ankauf der operativen Töchter des Kölner Konzerns wieder aufgenommen. Auch an Teilen der zur Credit Suisse gehörenden Winterthur-Gruppe sei Talanx durchaus interessiert gewesen, hieß es – allerdings nur an der Seite eines Partners, der das Lebensversicherungsgeschäft der Winterthur übernommen hätte.

Die Talanx-Gruppe ist aus dem Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI) hervorgegangen, einem Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, der weiterhin den Konzern kontrolliert. Die Tochter HDI Industrie sieht sich als zweitgrößter Industrieversicherer im Land. Mit dem Börsengang der Zwischenholding Talanx AG will Baumgartl der Gruppe Zugang zu den Kapitalmärkten und damit zu frischem Kapital für die Expansion der Gruppe verschaffen.

Für 2004 erwartet Talanx einen Gewinn vor Steuern von 911 Mio. Euro, deutlich über den 770 Mio. Euro des Vorjahres. Rund 185 Mio. Euro des Gewinns stammen aus dem Verkauf von 20,6 Prozent der Aktien des Rückversicherers Hannover Rück, an dem Talanx jetzt noch 51,2 Prozent hält.

Baumgartl sagte, der nach Abzug des Sonderertrags ungefähr auf Vorjahresniveau liegende Gewinn zeige die Ertragskraft der Talanx. Denn die Gruppe habe das Ergebnis trotz Schäden von 300 Mio. Euro aus den Hurrikans in Florida erreicht, die vor allem die Hannover Rück und deren Tochter Clarendon trafen.

Für 2005 sagte Baumgartl Prämieneinnahmen von 14,5 Mrd. Euro voraus, der Gewinn vor Steuern soll bei 1,0 Mrd.Euro liegen. Die Preise in der Industrieversicherung seien stabil, der niedrigere Dollar wirkt sich aber vor allem beim Rückversicherer auf den Umsatz aus.

Quelle: Financial Times Deutschland


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