Versicherungstochter Winterthur findet keinen Abnehmer

Von Herbert Fromme, Köln Die Schweizer Großbank Credit Suisse (CS) ist mit dem Verkauf ihrer Versicherungsgruppe Winterthur an einen strategischen Investor gescheitert. Die Bank wolle ihre Tochter mittelfristig an die Börse bringen, sagte CS-Chef Oswald Grübel gestern. In Deutschland gehört die DBV Winterthur mit Sitz in Wiesbaden zu der Schweizer Gruppe.

Credit Suisse hatte Winterthur im Sommer zum Verkauf gestellt. Die Versicherungstochter war immer wieder von Analysten und Rating-Agenturen als Negativfaktor für die CS gewertet worden, vor allem nach ihren hohen Verlusten im Jahr 2002.

Es habe zwar Interessenten gegeben, aber keiner von ihnen habe einen aus Sicht der Bank adäquaten Preis zahlen wollen, sagte Grübel gestern auf einer Pressekonferenz. Er nannte keine Namen. Nach Informationen aus Versicherungskreisen war zumindest die Axa-Gruppe an einer Übernahme interessiert. „Wir können die Winterthur nicht verschenken, wie es uns mehrfach vorgeschlagen wurde“, hatte Grübel gestern zuvor auf einer Investorenkonferenz gesagt. Der europäische Versicherungsmarkt sei noch nicht bereit zur Konsolidierung. Die CS beziffert den Wert der Winterthur auf mindestens 8,2 Mrd. Schweizer Franken.

Grübel wollte sich auf keinen Zeitplan für den Börsengang festlegen. Allerdings soll er dem Vernehmen nach innerhalb des gesamten CS-Konzernumbaus angegangen werden, der in den nächsten 18 bis 24 Monaten stattfinden soll. Winterthur-Chef Leonhard Fischer sagte, es sei auch ein Carve-out möglich. Dabei wird nur ein Teil einer Tochter, in diesem Fall der Winterthur, an die Börse gebracht.

Grübel sagte, die CS betrachte den Versicherer als reines Finanzinvestment. Das Projekt Allfinanz hält er für gescheitert. Dafür wäre eine Vollfusion von Bank und Versicherung nötig gewesen, die aber aus Sicht des Managements falsch gewesen wäre. Es gebe keinen Bedarf der Kundschaft, alle Finanzdienstleistungen über eine Adresse zu kaufen, sagte der Bankchef.

Fischer hat jetzt die undankbare Aufgabe, die Winterthur in einem schwierigen Umfeld börsenreif zu machen. So dürfte der Versicherungsmarkt schon bald unter sinkenden Preisen in der Schaden- und Unfallversicherung leiden.

Fischer kündigte an, das Unternehmen werde sich weiter von Randaktivitäten trennen. Dazu zähle das Geschäft in den USA. „Darüber hinaus kann ich keine Angaben machen“, sagte er. Die Winterthur hat bereits bedeutende Unternehmensteile verkauft, darunter in Großbritannien und Italien.

Fischer sagte, in den letzten zwei Jahren sei schon sehr viel erreicht worden. Der Versicherer habe in den ersten neun Monaten 2004 auf Jahresbasis einen Gewinn von elf Prozent auf das Eigenkapital erzielt. Die Kostensituation habe sich deutlich verbessert – statt 13,2 Prozent habe der Konzern in der Schaden- und Unfallversicherung jetzt 11,5 Prozent Verwaltungskosten, ohne die Vertriebskosten. Im Bereich Leben und Pensionen seien die Gesamtkosten aus Verwaltung und Vertrieb von 11,9 Prozent auf 9,2 Prozent gesunken. 2007 wolle der Versicherer 1,2 Mrd. Franken nach Steuern verdienen. Dann soll die Eigenkapitalrendite über zwölf Prozent liegen. 2002 gab es 415 Mio. Franken Verlust.

Fischer verteidigte das Geschäft mit der betrieblichen Altersvorsorge in der Schweiz. Es war von potenziellen Käufern der Winterthur als ein Grund für ihr nur lauwarmes Interesse genannt worden. Die Mindestzinsen für diese Verträge werden von der Regierung festgelegt und bergen ein erhebliches Risiko für die Versicherer: In den vergangenen drei Jahren führte das zu schweren Problemen für die meisten Schweizer Lebensversicherer. Fischer sagte, es gebe zwar dieses Risiko. Gleichzeitig sei das Schweizer Lebensgeschäft zurzeit mit acht Prozent Eigenkapitalrendite sehr gewinnbringend. Außerdem könne ein Versicherer, wenn sich die Bedingungen verschlechterten, innerhalb von drei Jahren aus dem Markt ausscheiden.

Zitat:

„Wir können die Winterthur nicht verschenken“ – Credit-Suisse-Chef Oswald Grübel

Quelle: Financial Times Deutschland


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