Allianz baut Beteiligungsbesitz ab

Milliardentransaktion stärkt Eigenkapitalbasis ·Versicherungskonzern nutzt günstige Konditionen

Von Yasmin Osman, Frankfurt, und Herbert Fromme, Köln Die Allianz hat mit einer milliardenschweren Finanztransaktion den Abbau ihres Beteiligungsbesitzes und die Stärkung ihrer Eigenkapitalbasis vorangetrieben. Das Maßnahmenpaket besteht aus drei Teilen und umfasst ein Gesamtvolumen von rund 4,2 Mrd. Euro. Dabei werden eine Index-Wandelanleihe, eine nachrangige Anleihe und Allianz-Aktien aus dem Besitz der Dresdner Bank platziert.

„Die Allianz nutzt damit die derzeit sehr attraktiven Konditionen am Kapitalmarkt“, teilte die Gesellschaft gestern mit. Damit seien die wichtigsten Finanzierungsziele für 2005 schon im Januar erreicht, sagte Finanzvorstand Paul Achleitner. Die Ratingagentur Fitch begrüßte die Kapitalschritte. Allianz-Aktien gehörten mit einem Minus von 1,8 Prozent dennoch zu den schwächsten Werten im Dax.

Zum einen platzierte die Allianz unter Federführung der Investmentbank JP Morgan eine Index-Wandelanleihe in Höhe von 1,2 Mrd. Euro, deren Rückzahlungskurs an die Entwicklung des Dax gekoppelt ist. Anleger können damit an Gewinnen und Verlusten des Dax partizipieren. Nach Ende der dreijährigen Laufzeit wird das Papier mit Aktien von BMW, Münchener Rück oder Siemens getilgt. Dabei hat die Allianz freie Hand, welche Anteilsscheine sie den Investoren andient.

Dadurch reduziert die Gruppe wie angekündigt ihr Aktienengagement. Der hohe Abschreibungsbedarf auf den relativ großen Aktienanteil an den Kapitalanlagen war ein Hauptgrund für die Probleme 2002 und 2003. Außerdem kann der Anteil an der Münchener Rück weiter gesenkt werden.

Gleichzeitig stärkt das Unternehmen seine Eigenkapitalbasis durch die Emission einer nachrangigen Anleihe ohne feste Laufzeit. Sie kann von der Allianz erstmals nach zwölf Jahren gekündigt werden. Wegen ihrer Nachrangigkeit gegenüber anderen Gläubigeransprüchen und der offenen Laufzeit gilt das Papier als Eigenkapitalersatz. Das verbessere die starke Kapitalausstattung der Allianz-Gruppe weiter, lobte Fitch.

Das wirkt sich in zweierlei Hinsicht positiv aus: Zum einen kann die Allianz auf eine Verbesserung ihres Ratings hoffen. Zum anderen ist die Gruppe in einer besseren Verfassung, um mit der ab Ende 2005 geltenden Konglomeratsaufsicht fertig zu werden: Bisher hat die Gruppe einen Teil des Eigenkapitals doppelt genutzt, einmal für ihre Versicherer und dann auch für ihre Bank. Unter der Konglomeratsaufsicht geht das nicht mehr – auch wenn der Konzern, anders als die Finanzaufsicht BaFin, der Ansicht ist, dass wegen der Diversifizierungseffekte zumindest ein Teil des Eigenkapitals doppelt verwendet werden sollte.

Der dritte Teil der Transaktion betrifft 17,2 Millionen Allianz-Aktien, die bislang im Besitz der Konzerntochter Dresdner Bank waren und einen Börsenwert von ungefähr 1,5 Mrd. Euro haben. Sie wurden an JP Morgan verkauft. Die US-Investmentbank hat sie bereits durch eine Pflichtwandelanleihe platziert. Diese Transaktion ist so strukturiert, dass die Allianz bei künftigen Kurssteigerungen zum Teil profitieren würde. Das Volumen betrug 1,55 Mrd. Euro, hieß es bei JP Morgan.

Quelle: Financial Times Deutschland


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