Die alten Leiden der Münchener Rück

Von Herbert Fromme, Köln Erneut trifft die HypoVereinsbank ihren größten Aktionär mit einerschlechten Nachricht. Aber das Management der Münchener Rück dürfte – zähneknirschend – die Altlastenbeseitigung durch HVB-Chef Dieter Rampl mitmachen. Nur so kann sie hoffen, das defizitäre Engagement eines Tages ohne gigantische Verluste zu reduzieren.

Die Immobilienkrise der Bank schlägt direkt auf das Jahresergebnis 2004 des weltgrößten Rückversicherers durch. Statt einen Gewinn im Korridor 1,8 Mrd. bis 2,0 Mrd. Euro erwartet der Konzern jetzt 1,7 Mrd. bis 1,9 Mrd. Euro. Das wäre immer noch ein Rekordergebnis, trotzdem bedeutet es die zweite Abwärtsrevision des angepeilten Jahresertrages. Zunächst war Vorstandschef Nikolaus von Bomhard von 2 Mrd. Euro Gewinn in seinem ersten Jahr an der Unternehmensspitze ausgegangen. Das musste er angesichts der schweren Wirbelstürme in Florida und Japan bereits senken.

Die Börse reagierte negativ, die Aktie fiel am Freitag um 1,1 Prozent auf 88,0 Euro. Die Münchener Rück hatte den größten Teil der HVB-Aktien 2001 von der Allianz erworben. Das war Teil der Entflechtung der beiden Versicherungsriesen. Damals hielt die Münchener Rück 25,7 Prozent. An mehreren Kapitalmaßnahmen und der Ausgliederung der Hypo Real Estate beteiligte sich der Rückversicherer nicht. Seit 2003 liegt sein Anteil deshalb bei 18,3 Prozent.

Das ist offenbar immer noch zu viel für den einzigen Zweck – die Unterlegung der Kooperation. Die Bank verkauft Versicherungspolicen für Erstversicherungsgesellschaften der Münchener Rück in der Ergo-Gruppe.

Für die unauffällig verlaufende Kooperation sind 18,3 Prozent nicht nötig. „Wir könnten uns auch eine Reduzierung vorstellen“, sagte ein Sprecher vorsichtig. Selbst Unternehmenschef von Bomhard hat schon verschiedentlich geäußert, dass auch zehn Prozent ausreichten. In den vergangenen zwei Jahren hat die Münchener Rück ihren Anteil an der Bank aber nicht weiter reduziert – auch deshalb, weil damit die Aktie noch tiefer in den Keller gerutscht wäre.

Bisher kommt der Anteil den Rückversicherer an verschiedenen Fronten teuer. Einmal muss der Konzern den Wertverlust abschreiben. Zweitens wirkt sich die HVB-Aktie negativ auf die Ergo-Unternehmen aus. Sie halten elf Prozent an der Bank, den Rest besitzt die Münchener Mutter direkt. Der Verfall der HVB-Aktien in ihrem Bestand war einer der Gründe für die Probleme der Victoria Leben. Sie hatte hohe Verluste aus Aktien, musste die Verzinsung für die Kunden dramatisch senken und brach 2004 im Neugeschäft um 24 Prozent ein, während der Gesamtmarkt um mehr als ein Drittel zulegte. Die Münchener Rück musste 500 Mio. Euro frisches Geld in die Lebensversicherungstochter stecken.

Jetzt wartet die Münchener Rück auf eine Gelegenheit, günstig aus der HypoVereinsbank auszusteigen. Eine Fusion oder eine Übernahme wäre eine solche Gelegenheit. Bis dahin muss die Bank gesäubert werden, wissen auch die Münchener-Rück-Chefs.

Zitat:

„Wir können uns auch eine Reduzierung vorstellen“ – Münchener Rück

Quelle: Financial Times Deutschland


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