Wenige Schadensmeldungen in Schweden und Großbritannien

Versicherungskonzerne verzeichnen vor allem Anfragen · Hausrat- und Krankenversicherungen greifen

Von Clemens Bomsdorf und Herbert Fromme Touristen aus Schweden und Großbritannien stellen einen großen Anteil der Touristen in den Regionen, die am 26. Dezember 2004 von den Tsunamis verwüstet wurden. In beiden Ländern versuchen die Versicherer, schnell und ohne viel Bürokratie mit Schäden fertig zu werden.

Für die Schweden ist Südostasien seit langem ein beliebtes Reiseziel, dementsprechend hart wurde das Land von der Naturkatastrophe getroffen. Gemessen an der Zahl der Einwohner vermisst kein anderes europäisches Land mehr Menschen.

Bei Reisen, die nicht mehr als 45 Tage dauern, deckt in Schweden der Reiseschutz der Hausratversicherung unter anderem die Kosten für medizinische Notfälle, Heimtransport und Schäden am Eigentum. „Die meisten Schweden haben eine Hausratversicherung und sind gegen die entsprechenden Kosten abgesichert“, so Anders Beskow, Vorstandsvorsitzender des schwedischen Versicherungsverbandes. Für dieselben Kosten komme auch eine separate Reiseversicherung auf, heißt es beim „Konsumenternas Försäkringsbyra“, dem gemeinsamen Verbraucherzentrum von Versicherungswirtschaft und Finanzaufsicht. Die entsprechenden Versicherungen gelten auch bei höherer Gewalt wie Naturkatastrophen. Damit dürfte der Großteil der Südasienreisenden aus Schweden gegen die finanziellen Folgen abgesichert sein.

Reisende, die nicht zu Schaden gekommen sind, ihre Reise aber vorzeitig beenden wollen, müssen üblicherweise selbst für die zusätzlichen Kosten aufkommen. Allerdings, so das Verbraucherzentrum, hätten viele Reisegesellschaft Entgegenkommen signalisiert. Wer in die Krisenregion aufbricht, um dort auf eigene Verantwortung nach vermissten Verwandten zu suchen, kann nicht mit Geld von der Versicherung rechnen. Dagegen erstattet sie Kosten, die entstehen, um lebensgefährlich verletzte oder erkrankte Verwandte zu besuchen.

Noch sei es zu früh für Schätzungen, welche Kosten auf die Branche zukommen würden, sagt Beskow.

Für britische Urlauber gehören Thailand, die Malediven und Sri Lanka zu den attraktiven Zielen. Die meisten schließen bei der Reisebuchung eine kombinierte Reiseversicherung ab. Sie deckt den Verlust von Reisegepäck und Krankenbehandlung im Notfall. Die Summe ist begrenzt, die Obergrenze liegt bei 3000 £ (4290 Euro) oder darunter. Auch der Rücktransport eines Verletzten ist gedeckt. Bei Tod zahlen die Versicherer zwischen 5000 £ und 30 000 £ sowie die Rückführung.

„Bisher haben die meisten Versicherer vergleichsweise wenige Schadensmeldungen erhalten, wohl aber zahlreiche Anfragen“, sagt eine Sprecherin der britischen Branchenvereinigung Association of British Insurers (ABI). „Das wird sich in den nächsten Tagen wahrscheinlich ändern.“ Kurz nach der Katastrophe kam es in britischen Medien zu einem empörten Aufschrei: Die Reiseversicherer wollten nicht zahlen, weil sie höhere Gewalt („Act of God“) ausgeschlossen hätten. „Das ist kompletter Unsinn“, sagte die ABI-Sprecherin. Außer bei sehr wenigen uralten Policen gebe es in der Reiseversicherung eine solche Ausschlussklausel nicht.

Die britische Tochtergesellschaft des französischen Axa-Konzerns verkauft Reisepolicen über die großen Reiseveranstalter wie Thomson und Trailfinders. Rund 5000 Axa-Kunden hielten sich in den betroffenen Regionen auf, teilte die Gesellschaft mit. Über die thailändische Axa organisierte das Unternehmen ein Team von Ärzten und Versicherungsfachleuten, die einerseits die Behandlung von verletzten Touristen und andererseits die Rückreise von nicht oder nur leicht verletzten organisierte.

Die Lebensversicherer haben bisher nur wenige Meldungen von Angehörigen toter oder vermisster Briten erhalten. Die Gesellschaften wollen ähnlich wie nach dem 11. September 2001 vorgehen, als das Außenministerium für im World Trade Center vermisste Briten Totenscheine ausstellte.

Zitat:

„Bisher gibt es wenig Schäden, wohl aber viele Anfragen“ – Sprecherin der Association of British Insurers

Quelle: Financial Times Deutschland


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