Citigroup verkauft Lebensversicherer

Allfinanzkonzept in den USA gescheitert · Käufer Metlife baut Geschäft in Nordamerika kräftig aus

Von Heike Buchter, New York, und Herbert Fromme, Köln Der weltgrößte Finanzkonzern Citigroup steigt fast vollständig aus dem Versicherungsgeschäft aus. Die Citigroup hat ihren Lebensversicherer Travelers Life & Annuity und fast alle internationalen Versicherungstöchter für 11,5 Mrd. $ an den Assekuranzkonzern Metlife verkauft. Bankfilialen der Citigroup werden künftig einer für zehn Jahre abgeschlossenen Vereinbarung zufolge Policen der vergrößerten Metlife-Gruppe vertreiben.

Die verkauften Unternehmen erreichten im vergangenen Jahr zusammen ein Umsatzvolumen von 5,2 Mrd. $, ihr Gewinn lag bei 901 Mio $. Metlife meldete für die ersten neun Monate 2004 einen Umsatz von 29 Mrd. $. Die Citigroup wird nur noch in Mexiko eigene Policen anbieten.

Citigroup verabschiedet sich damit von der ursprünglichen Vision des Ex-Konzernchefs und jetzigen Aufsichtsratsvorsitzenden Sandy Weill, der die Gruppe 1998 aus dem Versicherer Travelers und der Bank Citicorp formte. Weill wollte alle Finanzprodukte aus einer Hand bieten – vom Privatkundengeschäft über Versicherungen bis hin zum Investmentbanking. Er war damit Pionier: Erst nach der Fusion wurde in den USA die gesetzlich verlangte strikte Trennung von Banken und Versicherern aufgehoben.

Doch während die Integration von Geschäfts- und Investmentbanken Nachahmer fand, wie etwa JP Morgan Chase, scheinen Bank und Versicherer nicht unter ein Dach zu passen. „Die Allfinanzidee ist eine Philosophie europäischer oder japanischer Banken“, sagt Richard Bove, Bankenanalyst beim Researchhaus Punk Ziegel. „In den USA sehen Manager keine Notwendigkeit für vertikale Integration.“ US-Manager halten es seiner Ansicht nach nicht für sinnvoll, in Sparten mit langsamem Wachstum engagiert zu bleiben, nur um diesen Bereich abzudecken. Um in der Assekuranz profitabler zu werden, hätte Citigroup investieren und expandieren müssen.

Jetzt entschied sich Weills Nachfolger Charles Prince für den vollständigen Rückzug. Schon 2002 wurde der Schaden- und Unfallversicherer Travelers Property verkauft. „Um ihren Kunden Versicherungsprodukte anzubieten, braucht Citigroup keinen Versicherer zu betreiben“, sagt Eileen Sahey, Bankanalystin bei der Rating-Agentur Fitch.

Das sehen inzwischen auch die Aktionäre anderer Finanzkonzerne so. Die Schweizer Großbank Credit Suisse sucht dringend einen Käufer für ihre Versicherungstochter Winterthur, weil Anleger und Analysten von der Mischung nicht begeistert sind. Verhandelt wurde zuletzt mit dem französischen Axa-Konzern, die Gespräche scheiterten offenbar am Preis. Jetzt will Credit Suisse die Winterthur an die Börse bringen – wenn nicht noch ein Käufer auftaucht.

Die Allianz-Gruppe sieht dagegen keinen Handlungsbedarf. Sie hält an der für sie kostspieligen Integration der Dresdner Bank fest. „Wir haben die Citigroup nie als Vorbild gesehen, das war eine ganz andere Ausgangslage“, sagte ein Sprecher. Der Kauf der Dresdner Bank sei die Antwort auf eine spezifische Situation in Deutschland gewesen. Orientiert habe man sich an den erfolgreichen Allfinanzkonzernen Fortis und ING.

Positiv verläuft die Kooperation zwischen Banken und Versicherern bei den Sparkassen und ihren Versicherungstöchtern, die als Provinzial oder SV-Versicherung arbeiten. Auch die Genossenschaftsbanken und die R+V sind erfolgreich.

Zitat:

„Citigroup muss keinen eigenen Versicherer betreiben“ – Fitch-Analystin Eileen Sahey

Bild(er):

Citigroup-Chef Charles Prince, hier in Davos, gibt das Versicherungsgeschäft auf – Reuters/Sebastian Derungs

Quelle: Financial Times Deutschland


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