Walter-Pleite kostet Kreditversicherer wenig

Für Baukonzern werden bis zu 400 Mio. Euro zurückgestellt · FTD-Interview mit Atradius-Vorstand Ingenlath

Von Herbert Fromme, Köln Die deutschen Kreditversicherer werden zusammen nicht mehr als 200 Mio.Euro bis 400 Mio.Euro für die Pleite der Firma Walter Bau zurückstellen müssen. „Dass der tatsächliche Schaden dann so hoch bleibt, ist eher unwahrscheinlich“, sagte Peter Ingenlath, Vorstandsmitglied des weltweit zweitgrößten Kreditversicherers Atradius, früher Gerling NCM. Ingenlath ist auch Vorsitzender des Fachausschusses Kreditversicherung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

„Bei früheren Baupleiten hat es sich herausgestellt, dass im Laufe der Schadenabwicklung die Ausfallsumme deutlich kleiner wurde“, sagte er im FTD-Interview.

Kreditversicherer decken Unternehmen gegen Forderungsausfälle bei ihren Kunden ab. Geht ein Unternehmen pleite, wie jetzt Walter Bau, zahlt ein Kreditversicherer dem Lieferanten der insolventen Firma den Ausfall – wenn er eine Kreditversicherung hat. Daneben haben die Kreditversicherer in diesem Fall auch Ausfallbürgschaften an das Bauunternehmen vergeben.

Ingenlath sieht eine allgemeine Tendenz zu etwas schwächeren Preisen im deutschen Markt. Bei Maklern heißt es, Atradius greife mit aggressiven Preisen Euler-Hermes (Allianz) und Coface Allgemeine Kredit an. Ingenlath bestreitet das. „So etwas wird immer wieder über einzelne Gesellschaften erzählt“, sagte er. Atradius habe ein automatisiertes Preiskalkulationsprogramm, in das die Risikokosten und operative Kosten eingehen. „Wir unterscheiden uns von anderen Gesellschaften dadurch, dass unser Modell nach vorne schaut.“ Wenn ein Kreditversicherer heute das Risiko von Stahlunternehmen auf Basis der hohen Schäden von 2002 und 2003 beurteile, komme er zu anderen Preisen als Atradius, das die positiven Aussichten betrachte.

Die Hauptaktionäre sind Swiss Re und Deutsche Bank mit 42 Prozent und 34 Prozent. Die spanische Crédito y Caución hält 18 Prozent. Ihr wird Interesse an einer Fusion nachgesagt. Ingenlath sagte, die „Verlobungszeit“ mit der spanischen Gesellschaft führe nicht dazu, dass Atradius seine Börsenpläne aufgibt. Der Börsengang werde aber frühestens in der zweiten Hälfte 2006 kommen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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