Axa zieht Jobs nach Indien und Lettland ab

Der Versicherer Axa will in einem ersten Schritt mindestens 300 Arbeitsplätze aus seinen deutschen Gesellschaften in die Billiglohnländer Indien und Lettland verlagern. Nach Informationen der Financial Times Deutschland ist ein entsprechendes Projekt schon beschlossen und soll bis 2007 umgesetzt werden. Axa wollte dazu keine Stellung nehmen.
Das Unternehmen hatte Ende 2004 mit wenigen Mitarbeitern Pilotprojekte in Indien und Lettland begonnen, bei denen einfache Arbeiten verlagert wurden. So glichen Mitarbeiter nicht zuzuordnende Zahlungseingänge bei der Axa mit den offenen Forderungen des Versicherers gegen seine Kunden ab.
Drittel der Lohnkosten gespart
„Die Pilotprojekte sind hervorragend gelaufen“, hieß es in Unternehmenskreisen. Jetzt wolle man Prozesse aus den Bereichen Finanzen, Gebäudemanagament, Vergütung, IT, Schaden und Vertrieb verlagern. Die 300 möglichen Stellen seien erst der Anfang, das Potenzial sei deutlich größer. Das Unternehmen spare ein Drittel der Lohnkosten.
Die Arbeitsplatzverlagerung kommt als Teil eines größeren Programms zur Produktivitätssteigerung, das Deutschlandchef Claus-Michael Dill der Gruppe verordnet hat. Unter anderem will der Konzern die elektronische Arbeitsverteilung auf die dezentralen Standorte verbessern. Dadurch sollen in den nächsten zwei Jahren weitere 380 Vollzeitstellen wegfallen.
Axa hat in Deutschland im Moment 7000 Beschäftigte. Die beiden Maßnahmen müssten nicht unbedingt zu Hunderten von Entlassungen führen, hieß es in den Unternehmenskreisen. „Wenn Axa stark wächst, wird das die Beschäftigungslage natürlich positiv beeinflussen“, sagte ein Insider. Allerdings sei es unwahrscheinlich, dass es beim jetzigen Personalstand bleibt. In den vergangenen Jahren hat der Konzern die Beschäftigtenzahl bereits um 2000 reduziert, vor allem durch normale Fluktuation. Auf Grund einer Vereinbarung mit dem Betriebsrat gab es keine betriebsbedingten Kündigungen.
Das so genannte Offshoring spielte bislang in der deutschen Assekuranz keine Rolle, auch wegen der geringen Verbreitung der deutschen Sprache. Banken, Fluggesellschaften, IT-Unternehmen und vor allem die Industrie nutzen schon lange die Kostenvorteile der Verarbeitung in Ländern mit niedrigerem Lohnniveau. Pariser Mutter in Bangalore
Versicherer mit Kunden in englischsprachigen Ländern haben auch bereits Erfahrungen. Britische Versicherer verlegen seit einiger Zeit Callcenter und Verwaltungseinheiten nach Indien. Auch der Pariser Axa-Konzern, der auf dem indischen Markt nicht tätig ist, hat dort zwei Verwaltungszentren mit mehr als 2000 Mitarbeitern aufgebaut. Von Bangalore und Pune aus erledigen sie Vertragsbearbeitung und Kundendienst für die USA, Großbritannien, Japan und Australien – und künftig Deutschland.
Dill ist überzeugter Anhänger der Einführung industrialisierter Prozesse in der Assekuranz. Nur Unternehmen mit schlanken Kostenstrukturen könnten in der kommenden Konsolidierung des fragmentierten deutschen Marktes gewinnen, sagte er im Dezember vor Journalisten. Dill erwartet dabei keine Welle von Übernahmen ganzer Gesellschaften, sondern von einzelnen Geschäftsbereichen. Dabei will die Axa gewinnen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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