Entrümpelung der Riester-Rente lässt Assekuranz hoffen

Drei Jahre nach der Einführung hat die Bundesregierung die Riester-Rente generalüberholt. In der Versicherungsbranche wächst nun die Hoffnung, dass das etwas sperrige Finanzprodukt künftig mehr Anklang bei den Kunden finden wird. Im vergangenen Jahr ist der Absatz der Verträge marktweit zurückgegangen. „Insgesamt erwarten wir eine Renaissance der Riester-Rente“, sagt Eckhard Marten, Sprecher der Allianz Leben.
Riester gehört für die Assekuranz zu den Hoffnungsträgern, nachdem mit dem Wegfall der Steuerprivilegien der Verkaufsrenner Lebensversicherung wegzubrechen droht. Von der Einführung der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge versprach sich die Assekuranz innerhalb kurzer Zeit den Absatz von Verträgen in zweistelliger Millionenhöhe. Doch der Verkauf blieb weit hinter diesen Erwartungen zurück. Manche Versicherer und Vertriebe setzen die Policen relativ gut ab, dazu gehörten vor allem die Aachen-Münchener mit dem Vertrieb DVAG, Marktführer Allianz und die Münchener-Rück-Tochter Victoria Leben. Andere Unternehmen mochten Riester kaum anfassen und konzentrierten sich auf klassische Lebenspolicen.
Jetzt hat Berlin mit dem Alterseinkünftegesetz und spezifischen Vereinfachungen die Riester-Rente entrümpelt. „Riester ist deutlich attraktiver für die Kunden und für den Versicherungsvertrieb geworden“, urteilt Eckhard Marten. Die Allianz Leben ist mit 700 000 Verträgen Marktführer bei der Riester-Rente. Nachdem der Verkauf im Jahr 2004 noch schleppend verlief, konnte die Allianz im ersten Quartal 2005 mit 6500 Neuverträgen einen Zuwachs von 150 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verbuchen. „Die Talsohle ist durchschritten“, sagt er.
Einen Grund für das gesteigerte Interesse sieht er in dem vereinfachten Antragsverfahren für die staatliche Förderung. Früher schickten die Anbieter der Riester-Produkte die Zulagenanträge jeweils zum Jahresanfang an den Kunden, der das Papier ausfüllen und anschließend wieder an die jeweilige Bank, Versicherung oder Fondsgesellschaft zurücksenden musste.
Der Anbieter reichte das Formular dann an die Zulagenstelle für Altersvermögen weiter. Falls es dort keine Einwände gab, wurde der staatliche Zuschuss rückwirkend auf das Anlagekonto des Kunden überwiesen.
Der jährlich wiederkehrende Kampf mit dem Förderantrag war nicht nur für den Kunden beschwerlich. „Es gab häufig noch viele Rückfragen an den Kunden, was den ohnehin schon großen Verwaltungsaufwand für die Riester-Renten noch erhöhte“, sagt Marten. Ab Anfang diesen Jahres können Riester-Renten-Besitzer nun die Anbieter ermächtigen, die Zulage für sie zu beantragen. Der Kunde muss also nur einmal ein Formular ausfüllen, die Richtigkeit der Daten überprüfen und Änderungen melden.
Attraktiver seien die Verträge auch durch neue Auszahlungsregelungen geworden, sagt Marten. Kunden können sich am Ende der Ansparphase statt 20 Prozent des angesammelten Kapitals künftig 30 Prozent auszahlen lassen. Auch die Tatsache, dass die staatliche Förderquote bis 2008 kontinuierlich ansteigt, würde viele Bürger animieren, nun doch noch auf die Riester-Rente zu setzen.
Eine Änderung, die der Assekuranz nicht schmeckt, bringen die geplanten Unisextarife. Bisher zahlen Frauen wegen ihrer höheren Lebenserwartung höhere Beiträge als Männer. Ab 2006 sollen auf Beschluss des Bundestags für die Riester-Versicherungen einheitliche Prämien gelten. „Die Männer müssen die Renten der Frauen mitfinanzieren, weshalb die Renten für die Männer teurer werden“, erläutert Marten. Die Versicherer erwarten, dass künftig deutlich weniger Männer als Frauen die Verträge kaufen. Deshalb wollen sie mit der höheren Lebenserwartung der Frauen kalkulieren, so dass die Preise für Kundinnen nicht sinken werden. Für Männer werden die Anbieter ab 2006 die Preise um rund acht Prozent erhöhen. Aus diesem Grund hoffen sie auf einen Schlussverkaufsboom in diesem Jahr.
Der Assekuranz zugute kommt die Neuregelung, dass die Abschlusskosten bei den Riester-Policen nicht mehr auf zehn, sondern nur noch auf fünf Jahre verteilt werden müssen. Bei normalen Lebensversicherungen werden die ersten Beiträge für Provisionen und andere Abschlusskosten verwendet. Deshalb bereitete die Zehn-Jahres-Frist erhebliche Probleme bei den Abrechnungen zwischen Vertretern und Versicherern, die in vielen Fällen Vorabzahlungen leisten mussten, um den Vertrieb bei der Stange zu halten. Diese Probleme werden nun gemildert, sagt Marten.

Quelle: Financial Times Deutschland


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