Hannover Rück kündigt Rekordgewinn an

Hannover Rück, weltweit die Nummer vier unter den Rückversicherern, strebt für 2005 eine Gewinnsteigerung um fast 50 Prozent auf 430 Mio. Euro bis 470 Mio. Euro an. Vorstandschef Wilhelm Zeller sagte, nur überdurchschnittlich teure Naturkatastrophen oder starke Kapitalmarktturbulenzen könnten das verhindern.
Mit dem Rekordgewinn will Zeller die negative Entwicklung des Jahres 2004 vergessen machen. Statt der angekündigten 390 Mio. Euro bis 430 Mio. Euro verdiente das Unternehmen nach Steuern nur 309 Mio. Euro, ein Rückgang um 12,9 Prozent gegenüber 2003. Trotzdem erhöhte Hannover Rück die Dividende von 0,95 Euro auf 1 Euro. Der Aktie nutzte das gestern nichts. Die Papiere der Hannover Rück gaben um 2,7 Prozent auf 29,90 Euro nach.
Zeller begründete den Gewinneinbruch vor allem mit den Wirbelstürmen, die 2004 zum „teuersten Naturkatastrophenjahr in der Geschichte der Versicherungswirtschaft“ machten. Allerdings trafen die Stürme das Unternehmen nicht in erster Linie im Kerngeschäftsfeld Rückversicherung, also dem Abdecken von Großrisiken für Erstversicherer, die selbst mit den Endverbrauchern Geschäfte machen. In diesem Bereich blieb trotz der Stürme die kombinierte Schaden- und Kostenquote mit 97 Prozent im positiven Bereich – für jeden Euro an Einnahmen musste der Rückversicherer 97 Cent für Schäden und Kosten ausgeben.
Der eigentliche Schlag stammte aus dem so genannten Programmgeschäft der US-Tochter Clarendon, die als Erstversicherer schwer versicherbare Risiken abdeckt. Dazu gehörte auch das Geschäft mit den notorisch schadenanfälligen Wohngebäuden in Florida. „Clarendon hat nur in Florida solche Risiken“, sagte Zeller. Zum Verhängnis wurde dem Unternehmen, dass vier Stürme kurz hintereinander den US-Staat trafen – einen einzelnen schweren Schaden hätten die Rückversicherer der Clarendon zum größten Teil übernehmen müssen, jetzt musste das Unternehmen viermal bis zur Höhe des Selbstbehalts selbst in die Tasche greifen. Außerdem musste die US-Tochter ihre Schadenrückstellungen für Arbeiterunfalldeckungen um 35 Mio. Euro erhöhen. Die Konsequenz: eine Schaden-Kosten-Quote von 114 Prozent, nach 98 Prozent. Außerdem entstand ein Jahresverlust von 129 Mio.Euro, verglichen mit einem Gewinn von 57 Mio. Euro im Vorjahr.
Für Zeller war das Programmgeschäft immer ein wichtiger Ausgleich für das eigentliche Rückgeschäft. Das hat 2004 nicht funktioniert. Auch mit der Aufsicht über das US-Management kann es nicht richtig geklappt haben, das Führungsteam wurde zum 1. Oktober 2004 komplett ausgewechselt.
Keine Probleme für sein Unternehmen erwartet Zeller aus den laufenden Untersuchungen der US-Börsenaufsicht zur Finanzrückversicherung. „Wir sind nicht unoptimistisch für die Zukunft“, sagte er. Finanzrückversicherung werde gebraucht. Mit Prämieneinnahmen von 1,18 Mrd. Euro gehört die Hannover Rück in diesem Bereich zu den führenden Anbietern. Zu den wichtigen Kunden gehört auch der US-Versicherer AIG. „Wir sind noch nicht Gegenstand einer Untersuchung“, sagte Zeller. Man werde auf jeden Fall mit den Behörden vollständig kooperieren. „Wir haben nichts zu verbergen.“ Die internen Zeichnungsrichtlinien verbieten den Abschluss von Verträgen nach Schadeneintritt, zurückdatierte Transaktionen oder Nebenvereinbarungen, sagte Zeller.
Zumindest in einem Fall hat sich das Unternehmen nach Ansicht der Behörden anders verhalten. Die australische HIH Royal Commission untersucht den Kollaps des Versicherers HIH. Sie wirft der Hannover Rück den Abschluss von Verträgen vor, die HIH halfen, seine wahre Situation zu verschleiern. In dem Zusammenhang seien auch mündliche Nebenabreden getroffen worden. Hannover-Rück-Vorstand Jürgen Gräber sagte, diese Darstellung sei falsch. Zudem beruhe der Bericht auf einem fehlerhaften Expertengutachten. Er wollte nicht ausschließen, dass Hannover Rück mit einem eigenen Gutachten antwortet.

Quelle: Financial Times Deutschland


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