Hausarzt und Apotheker sollen Kosten senken

Am 1. März ist der Hausarztvertrag der Barmer Ersatzkasse freigeschaltet worden. Das heißt, seit Dienstag können sich Patienten bei ihrem Hausarzt dafür einschreiben. Die Barmer rechnet mit rund 1,4 Millionen Teilnehmern.
Mit dem Vertrag will die Barmer zwei Ziele verfolgen: die Versorgungsstrukturen verbessern und die Arzneimittelausgaben senken. Die Krankenkasse sieht durch eine rationalere Medikamentenverordnung ein Einsparpotenzial bis zu 300 Mio. Euro. „Zumindest einen Teil wollen wir über den Hausarztvertrag realisieren“, sagte der Vorstandsvorsitzende Eckart Fiedler.
Die Barmer ist die erste Krankenkasse mit einem bundesweiten Hausarztvertrag. Teilnehmende Versicherte schreiben sich für mindestens ein Jahr bei einem Hausarzt und einem Hausapotheker ein. Der Mediziner koordiniert und dokumentiert die gesamte Behandlung. Der Apotheker führt Buch über sämtliche Arzneimittel, die ein Patient einnimmt.
Zwei Drittel der Bevölkerung seien dazu bereit, sich auf eine Hausapotheke festzulegen. Das hat eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ergeben, die am Montag veröffentlicht wurde. Die Befragten schätzten insbesondere die intensive Beratung durch den Apotheker und die größere Arzneimittelsicherheit.
Der Barmer-Vertrag geht aber weiter: Hausarzt und Apotheker sollen sich auch für eine wirtschaftlichere Arzneimittelversorgung einsetzen. Im Mittelpunkt stehen dabei der Verzicht auf so genannte Scheininnovationen und der verstärkte Einsatz von Generika, also Nachahmerprodukten.
Die Barmer wird die bundesweite Entwicklung bei den Arzneimittelausgaben mit der im Vertrag vergleichen. Bringt das Modell tatsächlich Einsparungen, werden sie verteilt: 40 Prozent gehen an die Barmer, 30 Prozent an die Ärzte, 30 Prozent an die Apotheker.
Zurzeit führe die Kasse intensive Gespräche mit großen Generika-Herstellern, berichtete Fiedler. Mit ihnen will sie Rabatte aushandeln. „Hier wird sich in den nächsten Tagen etwas entscheiden.“
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt lobte den Vertrag als „wegweisend“. „Erstmals haben wir einen Integrationsvertrag im Bereich der hausärztlichen Versorgung mit einem Schwerpunkt auf der Arzneimittelversorgung und -dokumentation“, sagte sie.

Quelle: Financial Times Deutschland


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