Kühne & Nagel scheut konkrete Prognose

Der Logistikkonzern Kühne & Nagel (K&N) hat sein Ergebnis 2004 deutlich gesteigert. Grund war die rasante Entwicklung auf dem chinesischen Markt. Der Reingewinn von K&N stieg um 23 Prozent auf 241 Mio. Schweizer Franken, umgerechnet 156 Mio. Euro. Mehr als ein Drittel dieses Ergebnisses stammt mittlerweile aus der Region Asien-Pazifik. Der Umsatz legte 21 Prozent auf 11,6 Mrd. Franken zu. Für 2005 erwartet K&N eine Fortsetzung des positiven Trends. „Wir rechnen mit einer anhaltend guten Auftrags- und Ertragsentwicklung im laufenden Jahr“, sagte K&N-Chef Klaus Herms gestern in Zürich. Eine konkrete Prognose wagte er nicht.
Als weltgrößte Seefrachtspedition und Nummer vier in der Luftfracht profitiert K&N vom internationalen Warenaustausch und den anschwellenden Transportströmen. See- und Luftfracht erwirtschafteten mit 8,7 Mrd. Franken drei Viertel des Gesamtumsatzes. Doch auch das gute globale Geschäft birgt Risiken: Vor allem die Schwankungen des Dollar machen K&N zu schaffen. 2004 hat die positive Entwicklung der Geschäfte die Währungseffekte aber mehr als kompensiert. Belastend wirkt auch der Preisdruck, der sich aus unpaarigen Handelsrouten ergibt. Während Schiffe und Flugzeuge auf dem Weg von Asien nach Nordamerika oder Europa bestens ausgelastet sind, fahren sie in die andere Richtung fast leer.
„Ein Kilogramm Luftfracht nach China kostet 40 Cent, auf dem Rückweg zahlen Sie je nach Saison 2,50 bis 3,50 $“, beschreibt Herms das Problem. Die Verlagerung von Produktionsstätten nach Osteuropa und Asien oder auch von Nord- nach Südamerika werde aber weitere Arbeit für Logistiker schaffen. Als Wachstumsregionen sieht das Unternehmen in Europa die Länder Frankreich, Italien, Russland und die Ukraine. In Übersee soll vor allem das Geschäft mit China und Indien ausgebaut werden. K&N hat seinen Sitz vor 30 Jahren von Hamburg nach Schindellegi am Zürichsee verlegt.
In der so genannten Kontraktlogistik und bei Landverkehren will K&N auch über Zukäufe wachsen, sagte Verwaltungsratspräsident Klaus-Michael Kühne. Zur Kontraktlogistik gehören neben dem Transport Zusatzdienste wie der Betrieb von Lagern oder die Organisation von Warenrücksendungen. Die Sparte verspricht höhere Margen als die bloße Beförderung. Im vergangenen Jahr lag die Umsatzrendite bei 4,2 Prozent, 1,6 Prozentpunkte besser als im Vorjahr. Bei Kontraktlogistik und Landverkehren „wollen wir in Europa unter die ersten fünf“, sagte Kühne. Derzeit sei der Marktanteil noch zu vernachlässigen.
In Deutschland hat K&N im Speditionsgeschäft bereits kräftig zugekauft. In den vergangenen Monaten hat das Unternehmen die Speditionen Pracht und Häring sowie 40 Prozent an WM Cargo-Net aus dem Speditionsnetzwerk IDS übernommen. Bei IDS kontrolliere man mittlerweile 26 Prozent, sagte Kühne.
Die Übernahmen bedeuteten einen Strategieschwenk. Erst vor drei Jahren hatte sich K&N aus dem Transport auf der Straße verabschiedet und den Bereich an die Peugeot-Tochter Gefco abgegeben. „Wir müssen dabei sein, sonst schnappt sich die Konkurrenz irgendwann auch unsere Kunden aus dem See- und Luftfrachtgeschäft“, sagte Herms zur Begründung des neuerlichen Richtungswechsels. Dafür müsse man geringere Margen in Kauf nehmen, als bei See- und Luftfracht möglich sind.
An der Börse wurden die Zahlen und der positive Ausblick wohlwollend aufgenommen. Nach Verlusten im frühen Handel drehte die Aktie gestern in Zürich ins Plus und legte gut ein Prozent zu. „Das Ergebnis bietet keine Überraschungen“, urteilte Matthias Egger vom Analysehaus Helvea, einer Tochter der Privatbank Pictet, in einer Studie.
Das operative Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) war mit 390 Mio. Franken zwar hinter den Erwartungen der Analysten zurückgeblieben. „Dafür überraschte die deutliche Anhebung der Dividende“, sagte ein Analyst einer Schweizer Bank. Die Ausschüttung an die Aktionäre soll um ein gutes Viertel auf 4,50 Franken je Aktie angehoben werden.
Der Schweizer Konkurrent Panalpina spielt bei den Expansionsplänen von K&N keine Rolle. Panalpina, bisher im Besitz der Ernst-Göhner-Stiftung, hatte vor kurzem angekündigt, 2005 an die Börse gehen zu wollen. Das Interesse, sich als Investor zu engagieren, sei „gleich null“, sagte Kühne. Beide Organisationen betrieben ein paralleles Geschäft, ein Zusammengehen würde zu unnötigen Reibungsverlusten führen. „Der Kauf eines anderen See- und Luftfrachtspediteurs würde keinen Sinn machen“, sagte er.

Quelle: Financial Times Deutschland


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