Versicherer Aviva kauft Pannenhelfer RAC

Der größte britische Versicherungskonzern Aviva steigt in die Pannenhilfe für Autofahrer ein. Aviva teilte gestern mit, dass die Gesellschaft für 1,1 Mrd. £ (1,6 Mrd. Euro) den börsennotierten Automobildienstleister RAC übernommen hat, dessen Name auf den Royal Automobile Club zurückgeht.
Aviva ist ein diversifizierter Versicherer. Mit dem Zukauf erwirbt das Unternehmen in erster Linie den Zugang zu sieben Millionen Autofahrern, die potenzielle Autoversicherungskunden sind und schon jetzt mit ihrem Beitrag für eine Pannenversicherung bezahlen. Der Übernahmepreis liegt um 27 Prozent über dem Schlusskurs von RAC vom Montag. Aviva will in bar und mit eigenen Aktien bezahlen.
Aviva betreibt bereits ein großes KfZ-Versicherungsgeschäft und hält derzeit 14 Prozent Anteil an diesem Markt in Großbritannien. Der Zugang zu Millionen von Autofahrern soll auch für den Vertrieb anderer Policen wie Lebens- und Sachversicherungen genutzt werden. „Wenn sie das schaffen, dann ist das eine profitable Sache. Wenn nicht, dann haben sie einen hohen Preis bezahlt“, sagte Fondsmanager Colin Morton von BWD Rensburg der Agentur Bloomberg.
Pro Autofahrer bezahlt Aviva rund 160 £. Im vergangenen Jahr hatte das Private-Equity-Haus Permira nur rund 120 £ pro Kunde gezahlt, als es den größeren Konkurrenten von RAC, die Automobile Association (AA) übernahm.
RAC hat bei Versicherungen noch einen aufnahmefähigen Kundenstamm. Nur 13 Prozent der Mitglieder kaufen ihre Autoversicherung bei dem Pannenhelfer. Beim Rivalen AA sind es etwa die Hälfte . „Wir wollen unsere Produktpalette erweitern und RAC will mehr Finanzprodukte anbieten“, sagte Patrick Snowball, Chef der Aviva-Tochter Norwich Union, an die RAC angegliedert werden soll. Aviva will die RAC-Dienstleistungen weiterführen. Darunter fallen neben der Pannenhilfe für einen Versicherer eher exotische Dinge wie Fahrertraining und Routenplanung.
Der Konzern erwartet, dass der Zukauf ab 2006 den Gewinn positiv beeinflussen wird. Die jährlichen Kosteneinsparungen werden mit „mindestens“ 80 Mio. £ jährlich beziffert. Von den zusammen 24 000 Stellen sollen 1700 eingespart werden.
Die enge Verzahnung von Versicherung und Pannenhilfe gilt auch bei deutschen Versicherern als Erfolgsrezept. Fast alle deutschen Autoversicherer bieten inzwischen mit ihrer Police auch einen Schutzbrief an, der Autofahrern Pannenhilfe und andere Dienstleistungen bietet.
Inzwischen weiten die Versicherer das Konzept auf Bereiche außerhalb der Autoversicherung aus – vor allem bei Auslandsreisen und im Haushalt. Die Allianz ist der Vorreiter im Verkauf von Policen, mit denen sich Kunden Hilfsleistungen vom Schlüsseldienst bis zum Klempner einkaufen – die der Versicherer oder eine von ihm beauftragte Servicefirma auch noch organisiert.
Umgekehrt stößt der mit rund 15 Millionen Mitgliedern größte Automobilclub ADAC in das Geschäft mit der Autoversicherung vor. Das Unternehmen kooperiert mit der Zürich-Gruppe über ihre Tochter Deutscher Herold und mit der Kravag, die zur R+V gehört.

Quelle: Financial Times Deutschland


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