Allianz klagt über Preise auf Schiffsmarkt

Die Reeder zahlen nach Ansicht des Spezialversicherers Allianz Marine & Aviation (AMA) trotz kräftiger Preiserhöhungen zu wenig für die Schiffsversicherung. „Die Raten sind immer noch unzureichend“, sagte AMA-Chef Heinz-Werner Hof im Gespräch mit der FTD. „Die Schifffahrt ist wegen des Welthandelsbooms in einer exzellenten Ertragslage. Von der Versicherung in diesem Feld können wir das nicht sagen.“ Heute zahlten die Reeder Prämien, die rund 80 Prozent des Niveaus von 1995 ausmachten. Hof: „Damals konnte man im eigentlichen Versicherungsgeschäft Gewinn machen.“ Das sei heute kaum der Fall.
Aussteigen aus der Schiffsversicherung will Hof aber nicht. In den Vertragsverhandlungen für dieses Jahr habe die AMA Verbesserungen von durchschnittlich elf Prozent durchgesetzt. „Solange der Markt die richtige Richtung hat, beteiligen wir uns weiter daran. Aber das heißt nicht, dass wir ständig in diesem Geschäft bleiben“, sagte Hof. Den größten Schaden verursachte im vergangenen Jahr das Sinken des Kreuzfahrtschiffes „Pride of America“ am Kai der Bremerhavener Lloyd Werft. Der Gesamtschaden belief sich auf 180 Mio. $, die Allianz trug davon zehnProzent.
Mit mehr als 7000 versicherten Schiffen und Prämieneinnahmen von 100 Mio. Euro ist die AMA der größte Schiffsversicherer Europas. Das Unternehmen mit seinen Standorten London, Hamburg, Paris und München deckt nur Transport- und Luftfahrtrisiken ab. 2004 gingen die Beitragseinnahmen um 11,6 Prozent auf 949 Mio. Euro zurück. „Das liegt zum Teil am schwachen US-Dollar“, sagte Hof. In Originalwährung betrage der Rückgang fünf Prozent. „Das liegt im Rahmen unserer Planung. Aus unprofitablen Geschäftsfeldern ziehen wir uns zurück.“
Das gelte zum Beispiel für Teilbereiche der Luftfahrtversicherung. „Im Airline-Geschäft mit den großen Fluggesellschaften haben wir rund zwölf Prozent am Weltmarkt, der sich auf etwa 2,2 Mrd. $ beläuft“, sagte Hof. Zwar habe es in den vergangenen drei Jahren keine Großschäden gegeben. Das sei aber Zufall. „Dass es größere Flugzeugunglücke geben wird, ist sicher.“ Das könne die Versicherer pro Flugzeug bis zu 1,5 Mrd. $ kosten. „Die Preise sind aber nach unten gegangen, und deshalb haben wir unsere Zeichnungspolitik überprüft und unsere Risikolage angepasst.“ Noch seien die Preise auskömmlich. „Es stellt sich aber die Frage, wie das bei den Vertragserneuerungen für 2006 weitergeht.“
Gutes Geld verdient die AMA in der Warenversicherung, bei der Hersteller oder Händler Güter gegen Transportschäden versichern. „Hier haben die Preise bei der letzten Erneuerung um ein Prozent nachgegeben“, sagte Hof. Der Schadentrend sei aber weiterhin positiv, auch wegen des Ausbleibens von Großschäden.
Während Hof bei der Versicherung von großen Seeschiffen auf Preiserhöhungen dringt, ist er mit der Yachtversicherung zufrieden. Hier profitiert die AMA von dem Trend zu Megayachten. „Da sind weltweit 350 Yachten mit 24 Meter Länge oder mehr im Bau, der Auftragswert beträgt 12 Mrd. Euro“, sagte Hof zum Potenzial dieser Sparte. In der Yachtversicherung kommt AMA auf 30 Mio. Euro Prämie. Schäden und Kosten belaufen sich zusammen auf 78 Prozent der Beitragseinnahmen.
Während die Gesamtschäden der AMA im vergangenen Jahr von 65,5 Prozent der Beiträge auf 64,4 Prozent fielen, schossen die Kosten von 21,8 Prozent auf 29,2 Prozent in die Höhe. „Wir haben sehr stark investiert, um den Anforderungen des Sarbanes-Oxley Act an börsennotierte Unternehmen in den USA gerecht zu werden“, sagte Hof. Außerdem habe das Unternehmen, das 500 Mitarbeiter beschäftigt, seine IT kräftig ausgebaut. Mit dem Gewinn von 81 Mio. Euro, nach 64 Mio. Euro, sei Allianz Marine & Aviation zufrieden.

Quelle: Financial Times Deutschland


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