Assekuranz wettert gegen Garantiefonds

Heftige Kritik an den Plänen der Bundesregierung zur Zulassung von Investmentfonds mit Werterhaltungsgarantien hat der Verband der Versicherungsmathematiker geäußert. „Die Fondsgesellschaften sind dafür unzureichend mit Eigenmitteln ausgestattet“, sagte Kurt Wolfsdorf, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), gestern in Berlin. Wenn die Fonds langfristige Garantien anbieten wollten, müssten sie ähnliche Eigenmittel wie die Lebensversicherer vorhalten und die Risiken aktuariell berechnen lassen.
Die DAV habe sich in Briefen an den Finanzausschuss des Bundestages und an das Finanzministerium gewandt. „Wir sind da sehr zuversichtlich.“ Die Bundesregierung plant, über eine Änderung des Investmentgesetzes Fonds mit Langfristgarantien zu erlauben.
Hinter dem Streit zwischen Aktuaren und Fonds steckt der Kampf um die Vorherrschaft auf dem Markt der privaten Altersvorsorge. Zur Zeit bieten nur die Lebensversicherer langfristige Rentenverträge mit Zinsgarantien, die 80 Jahre und länger halten sollen. Die Fonds sind wegen der fehlenden Garantien bisher vom privaten Rentenmarkt fast vollständig ausgeschlossen. Über neue Angebote mit Sicherheit für die Sparer wollen sie das ändern.
Sollte sich die Assekuranz mit ihrer Kritik durchsetzen, wären die Garantieverträge für die Fonds aber äußerst unattraktiv. Sie müssten wie die Versicherer Eigenmittel in Höhe von vier Prozent der angesparten Summen vorhalten. Die Versicherer bringen das Geld allerdings nicht selbst auf – nur 1,2 bis 1,3 Prozent der Eigenmittel sind Eigenkapital des Unternehmens. Der Rest wird von den Kunden aufgebracht, denen die Versicherer Zinsen nur mit Verzögerung gutschreiben. Diese Möglichkeit haben die Fonds nicht.
Die Fondsbranche steht der Forderung der Aktuare gelassen gegenüber. Sie setzt auf Angebote aus dem Ausland. „Die Alternative ist nicht, ob Garantiefonds aufgelegt werden, sondern ob sie in Luxemburg oder Deutschland aufgelegt werden“, sagte Andreas Fink, Sprecher des Branchenverbands BVI. In Luxemburg seien die gesetzlichen Anforderungen weniger rigide. „Das ermöglicht es uns, die Produkte zurzeit schneller und mit viel kleinerem Dokumentationsaufwand an den Markt zu bringen“, sagte Hendrik Liebold, Produktmanager bei SEB Invest in Frankfurt. Eine feste Quote an Eigenmitteln müssen Fonds in Luxemburg nicht hinterlegen. Stattdessen findet dort eine Einzelfallprüfung statt, in der die Kapitalanlagegesellschaften insbesondere belegen müssen, dass die Konstruktion eines neuen Garantiefonds in sich schlüssig ist.
Wolfsdorf sagte weiter, der Garantiezins der Lebensversicherer von heute 2,75 Prozent werde wahrscheinlich 2007 weiter nach unten angepasst, wenn die Zinssituation auf heutigem Niveau bleibe. „Es gibt Überlegungen, ob die Änderung ein halbes Jahr vorher kommt“, sagte Wolfsdorf. Er hält nichts davon. „Die Änderung wirkt ja nur auf das Neugeschäft. Problematisch sind die Verträge im Bestand.“ Die Lebensversicherer müssen zur Zeit durchschnittlich 3,5 Prozent gutschreiben.
Bei Verzinsungen von unter vier Prozent für Neuanlagen haben manche Versicherer Probleme, die Garantien zu verdienen. DAV-Vorstandsmitglied Markus Faulhaber, im Hauptberuf Vorstand bei der Allianz Leben, sieht dennoch keine Probleme. Selbst einen weiteren Zinsrückgang auf ein Prozent könnte die Branche aushalten. Nur eine längerfristige Niedrigstzinsphase von einem Prozent könnte schwierig werden. „Dann patzt auch die Allianz“, sagte Faulhaber.

Quelle: Financial Times Deutschland


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